Ausgabe August 2006

Grenzüberschreitungen

William und Madeleine haben ihr Berufsleben hinter sich oder erfolgreich aus dem Mittelpunkt ihres Lebens verdrängt. Sie kaufen sich einen alten Bauernhof, skurril und malerisch wie eine Filmkulisse, und mit den Freuden des Müßigganges und der Gärtnerei entdecken sie neue Sinneslust. Ein schönes Happy End beginnt, und der Film mit dem Titel Malen oder Lieben (von den beiden Regisseursbrüdern Arnaud und Jean-Marie Larrieu) könnte hier eigentlich aufhören. Aber das späte Glück erfährt eine unerwartete Vertiefung. Die Beziehung zu ihren neuen Nachbarn, dem blinden Adam und seiner jungen schönen Frau Eva, nimmt einen immer erotischeren Charakter an. Vor allem William verstört dieser Bruch mit seinen eingeübten Verhaltensweisen zunächst, aber nach dem Partnertausch stellt sich eine unkomplizierte, alle vier ergreifende Zärtlichkeit ein.

Sie scheint jedoch nur von kurzer Dauer zu sein, denn Adam und Eva haben sich entschlossen auszuwandern, „auf die Insel“, die irgendwo in der Karibik liegt. William und Madeleine überlegen, ob sie das Haus verkaufen und mitkommen sollen. Als dann Mathieu und Julie auftauchen, angeblich Interessenten für das Haus, und sich herausstellt, dass sie ein Swinger-Pärchen sind, beschließen William und Madeleine, doch zu bleiben. Die neue sinnliche Freiheit, so erkennen sie, darf nicht wieder in alten Bindungen enden.

Auch dieser zweite Partnertausch wird als ein positives Erlebnis für alle dargestellt.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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