Ausgabe August 2006

Grenzüberschreitungen

William und Madeleine haben ihr Berufsleben hinter sich oder erfolgreich aus dem Mittelpunkt ihres Lebens verdrängt. Sie kaufen sich einen alten Bauernhof, skurril und malerisch wie eine Filmkulisse, und mit den Freuden des Müßigganges und der Gärtnerei entdecken sie neue Sinneslust. Ein schönes Happy End beginnt, und der Film mit dem Titel Malen oder Lieben (von den beiden Regisseursbrüdern Arnaud und Jean-Marie Larrieu) könnte hier eigentlich aufhören. Aber das späte Glück erfährt eine unerwartete Vertiefung. Die Beziehung zu ihren neuen Nachbarn, dem blinden Adam und seiner jungen schönen Frau Eva, nimmt einen immer erotischeren Charakter an. Vor allem William verstört dieser Bruch mit seinen eingeübten Verhaltensweisen zunächst, aber nach dem Partnertausch stellt sich eine unkomplizierte, alle vier ergreifende Zärtlichkeit ein.

Sie scheint jedoch nur von kurzer Dauer zu sein, denn Adam und Eva haben sich entschlossen auszuwandern, „auf die Insel“, die irgendwo in der Karibik liegt. William und Madeleine überlegen, ob sie das Haus verkaufen und mitkommen sollen. Als dann Mathieu und Julie auftauchen, angeblich Interessenten für das Haus, und sich herausstellt, dass sie ein Swinger-Pärchen sind, beschließen William und Madeleine, doch zu bleiben. Die neue sinnliche Freiheit, so erkennen sie, darf nicht wieder in alten Bindungen enden.

Auch dieser zweite Partnertausch wird als ein positives Erlebnis für alle dargestellt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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