Ausgabe Dezember 2006

Auch AIDA wird 50

Nein, hier ist weder die Opernfigur noch eine dubiose Versicherung gemeint: AIDA war in den 60er Jahren die wissenschaftliche Formel für die Wirkungsplanung von Werbung, die Abkürzung für: attention, interest, desire und action. Seit es Werbung im (west)deutschen Fernsehen gibt, ist dieses Medium zu ihrem Hauptträger geworden, wahrscheinlich weil man nur in seinem Programmfluss die Aufmerksamkeit für Werbung mit Gewalt erzwingen kann.

Es fing am 3. November 1956 an: Der Bayerische Rundfunk strahlte in der Sendung „Zwischen halb und acht“ den ersten Werbespot aus (für Persil). Die Münchner mussten sich damals gegen den Widerstand aller übrigen Sender durchsetzen. Die Werbung ist also als eigentlich ungeliebtes Element ins Fernsehen gekommen, seitdem aber zur Basis der ökonomischen Existenz von weit mehr als der Hälfte aller Fernsehkanäle geworden.

Schon früh wurde erkannt, dass das Publikum (von ein paar Freaks abgesehen) nicht freiwillig bereit ist, sich Werbung im Fernsehen anzuschauen. Zur Überwindung dieser Renitenz wurden die Programme durch Spots unterbrochen, was bei bestimmten Sendeformen, insbesondere Serien, schon im Drehbuch berücksichtigt wird. Ein cliffhanger unterbrach die Handlung an einer Stelle, wo es besonders spannend war, damit die Werbung ein Interesse ausbeuten kann, das gar nicht ihr gilt. Deswegen kommt dem bald so genannten „Werbeumfeld“ eine besondere Funktion zu.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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