Ausgabe September 2006

Für die Freilassung Ramin Jahanbegloos

Offener Brief an den Präsidenten der Islamischen Republik Iran, Dr. Mahmud Ahmadinedschad, und den Präsidenten des Obersten Gerichtshofes, Ajathollah Mahmud Hashemi Shahroudi (Wortlaut)

Am 27. April d.J. wurde der iranische Philosoph Ramin Jahanbegloo (vgl. auch das Gespräch in diesem Heft) verhaftet; er wird seither im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran festgehalten. Seine Inhaftierung sorgte international für Empörung. Der folgende Offene Brief wurde von über 400 Wissenschaftlern und Intellektuellen unterzeichnet, u.a. von Kwame Anthony Appiah, Timothy Garton Ash, Zygmunt Bauman, Dipesh Chakrabarty, Noam Chomsky, J.M. Coetzee, Juan Cole, Shirin Ebadi, Umberto Eco, Jürgen Habermas, Leszek Kolakowski, Ernesto Laclau, Chantal Mouffe, Martha Nussbaum, Orhan Pamuk, Charles Taylor, Tzvetan Todorov, Immanuel Wallerstein, Cornel West, Howard Zinn und Slavoj Zizek. – D. Red.

Herr Präsident Ahmadinedschad,

wir, die Unterzeichner, rufen zur sofortigen und bedingungslosen Freilassung des hervorragenden Wissenschaftlers und bekannten Intellektuellen Dr. Ramin Jahanbegloo auf, der Ende April 2006 am Teheraner Flughafen verhaftet wurde. Am 6. Mai bestätigte der Minister für die Nachrichtendienste, Hojatoleslam Gholam-Hossein Mohseni-Ejei, Dr. Jahanbegloos Verhaftung, er werde weiterhin in Gewahrsam gehalten, weil er „Kontakte mit Ausländern“ gehabt habe.

Seit fast vier Wochen wird Dr. Jahanbegloo ohne einen Gerichtsbeschluss, eine öffentliche Untersuchung, juristische Vertretung und ohne die Möglichkeit von Besuchen seiner Familienangehörigen inhaftiert – all dies sind elementare Bedingungen für ein ordentliches Verfahren.

Die Verhaftung von Dr. Jahanbegloo und die andauernde Haft verletzen eindeutig die innerstaatlichen Gesetze der Islamischen Republik und Irans internationale Verpflichtungen, insbesondere als Unterzeichner des internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte.

Die Nachricht von Dr. Jahanbegloos Inhaftierung hat Gelehrte und andere Geistesschaffende weltweit erschüttert. Als Philosoph, der sich den Prinzipien der Gewaltlosigkeit verschrieben hat, arbeitet Dr. Jahanbegloo unermüdlich daran, das kulturelle Verständnis und den Dialog zwischen Iranern und anderen Gesellschaften zu fördern.

Als Direktor des „Cultural Research Bureau“ in Teheran vermittelte er unzähligen Lesern, Studenten und Wissenschaftlern die Vielschichtigkeit der iranischen Kultur und ihren großen Beitrag zur Menschheitsentwicklung. Dr. Jahanbegloos Bemühen, Irans Kultur und Geschichte zu erhellen und mit anderen zu teilen, hat ihm großen Respekt und Bewunderung unter Intellektuellen, wie unter einfachen Menschen aus unterschiedlichsten Regionen der Welt eingebracht. Es kann deshalb nicht überraschen, dass diejenigen, die seine Arbeit im Iran oder vom Ausland aus verfolgt haben, über diese gesetzwidrige Behandlung Dr. Jahanbegloos schockiert und enttäuscht sind.

Wissenschaftler, die den Iran bereist haben, sind besonders besorgt über diesen Vorfall und befürchten, dass die Verhaftung Dr. Jahanbegloos abschreckend wirken und einen derartigen Austausch und wissenschaftliche Forschung in Zukunft behindern wird.

Kurz gesagt glauben wir, dass Dr. Jahanbegloos Inhaftierung Ihr unverzügliches Eingreifen erfordert, um diese Angelegenheit angemessen aufzuklären und seine umgehende Freilassung zu bewirken.

Hochachtungsvoll,

[die Unterzeichner]

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