Ausgabe September 2006

Hamburger Zeit-Geist

Journalismus ist ein Kellnerberuf: Was in der Welt geschieht, wird Lesern, Hörern und Zuschauern möglichst genießbar serviert. Die Bedeutung dieser Tätigkeit lässt sich kaum überschätzen. Von der Seriosität und Qualität journalistischer Arbeit hängt ab, was die Menschen von den Vorgängen in ihrer Stadt, ihrem Land und dem Rest der Welt wissen. Von ihrem Wissen hängt ab, was sie beurteilen können, und vom Urteilsvermögen der Staatsbürger hängt ab, ob eine Demokratie funktioniert.

Zu allen Zeiten hat es Journalisten gegeben, denen es nicht genug war, Medium zu sein: Nur weiterzugeben, was sich ereignet, nur zu erklären, was passiert ist, nur zu berichten, worüber sich die Verantwortlichen Gedanken machen. Sie möchten selbst ein Stück Verantwortung übernehmen, wollen sich eigene Gedanken machen und ihre Auffassungen zur Geltung bringen.

Es gibt daher zwei Arten von Journalisten. Die einen wollen nur vermitteln, die anderen wollen auch wirken. Die einen bemühen sich, ihre Vermittlungsarbeit einfühlsam, einfallsreich und möglichst eingängig zu leisten. Die Frage, wie bringe ich etwas am besten an den Mann oder an die Frau, beschäftigt viele kluge Köpfe; sie wird umso dringlicher, je schärfer die Konkurrenz wird. Sie wird für viele zur Existenzfrage; wenn die Auflagen sinken, droht der Zeitungstod.

Sie haben etwa 30% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 70% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo