Ausgabe Dezember 2007

Wollt Ihr den totalen Spass?

Was waren das für Zeiten – als die Verwendung eines NS-Terminus noch Entlassungen nach sich zog. 1990 hatte der Schriftsteller Thomas Kapielski in einem Artikel in der „taz“ die Berliner Diskothek Dschungel als „gaskammervoll“ bezeichnet, woraufhin die zuständige Redakteurin gehen musste. Nun könnte man darauf verweisen, dass auch Eva Herman jüngst von ihrem Haussender, dem NDR, fristlos gekündigt wurde. Ihr Fall liegt jedoch anders. Bei Herman handelte es sich gerade nicht um ein „bloß“ ironisches Austesten der herrschenden Tabu-Grenzen, sondern um den Versuch, das Jahr 1968 durch den Vergleich mit dem Dritten Reich zu dämonisieren. 68, so Hermann, habe all jene Werte zerstört, die die Nazis noch in Ehren hielten, von Familie bis Autobahn. Dieser Verharmlosung des Dritten Reichs folgte prompt der reichlich inszenierte Rauswurf aus der ZDF-Sendung „Kerner“: „Autobahn geht gar nicht“, so der gewollt empörte Gastgeber.

Was heute tatsächlich „alles geht“, ließ sich dagegen nur wenige Tage später studieren, nämlich in der ersten Sendung der neuen ARD-Late-Night-Show „Schmidt und Pocher“. Zentrales Inventar der Sendung war der inzwischen hinreichend bekannte „Nazometer“. Dabei handelt es sich um ein Gerät, das piept und blinkt, wenn jemand ein unter Nazi-Verdacht stehendes Wort ausspricht.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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