Ausgabe März 2007

Uschi O.

Zwei Katastrophen hätten Deutschland zu Beginn dieses Jahres heimgesucht: Der Sturm Kyrill und die Rückkehr der Uschi Obermaier, schreibt der französische Filmkritiker Yves Petignat in „Le Temps“. Aber der pünktlich zu ihrem 60. Geburtstag entfesselte Mediensturm über die Verkörperung der sexuellen Revolution von 1968 war eher harmlos und wurde ein weiteres Mal zur Destruktion einer Ära genutzt.

Denn schon damals waren die Widersprüche ihres kurzen Gastspiels in der aktuellen Politik nur zum Anlass für hämische Klischees genommen worden. Sie verdiente als Fotomodell sehr gut und finanzierte die Kommune 1, so dass deren Mitglieder ihre Tage mit Nichtstun verbringen konnten. Bei politischen Diskussionen in der Kommune schlief sie meistens ein. Sie wollte sich vergnügen mit Sex, Drogen und Rockmusik und gab Anlass für voyeuristisch-spöttische Kommentare über die 68er-Bewegung: Die kriegten ja noch nicht einmal den Schwanz hoch.

Zum Jubiläums-Interview im „Stern“, der ihre Titelbilder-Karriere damals eröffnet hatte, zog sie sich jetzt noch einmal aus, und die Bilder zeigen einen immer noch schönen, erotisch attraktiven Körper, der, mit einiger „Nachhilfe“, wie sie eingesteht, so sehr ihren früheren Bilder gleicht, dass es fast wie ein Symbol erscheint: Sie sieht so aus wie früher und redet wie früher, auch als US-Staatsbürgerin, die heute in der ländlichen Idylle Schmuck entwirft.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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