Ausgabe Mai 2007

Bellizismus als Solidarität?

Ohne Zweifel ist Micha Brumlik eine viel beachtete und gewichtige Stimme in der deutschen Debatte um das Verhältnis zur israelischen Politik. Mancher mag sich sogar etwas ängstlich gehemmt fühlen, in die Diskussion mit ihm einzutreten, denn es kann geschehen, dass Professor Brumlik Teilnehmer mit strengem Gestus des Debattenfeldes verweist, wie auch in seinem Beitrag in der Aprilausgabe der „Blätter“ geschehen: Da haben sich doch nach seinem unbestechlichen Urteil einige „aus jedem konstruktiven Diskurs hinauskatapultiert“. Ein Protagonist wird sogar (vielleicht wie ein „nützlicher Idiot“?) von „Teilen der Friedensbewegung als Redner durchs Land gereicht“, möglicherweise von genau denen, die Micha Brumlik ja bereits anlässlich des Golfkriegs 1991 als „Antisemiten im Friedenspelz“ ausgemacht hatte. – Trotz solcher Gefahren will ich hier einige Widersprüchlichkeiten benennen, die mir im Brumlikschen Beitrag auffielen.

Erstens: Wer ist kritikberechtigt? Zwar ist es „in der globalisierten Welt das selbstverständliche Recht, vielleicht sogar die Pflicht eines jeden Menschen […], gegen Menschenrechtsverletzungen allüberall einzutreten. […] Das Gewicht, nicht die Berechtigung von Kritik aber ist allemal an die Bereitschaft von Verantwortung gebunden – eine Verantwortung, die der universalistische Grosser völlig zu Recht […] in Europa, nicht aber für Israel wahrnehmen kann.

Sie haben etwa 23% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 77% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Oktober 2020

In der Oktober-Ausgabe zeigt der Anthropologe Wade Davis, wie die Corona-Pandemie die gesellschaftlichen Widersprüche der USA offenlegt und ihren Niedergang als Weltmacht beschleunigt. Der Historiker Bernd Greiner porträtiert den einstigen US-Chefstrategen Henry Kissinger und dessen skrupellosen Willen zur Macht. Der Schriftsteller Zafer Şenocak fordert, dass die deutsche Außenpolitik endlich Verantwortung für die kolonialen Verbrechen übernimmt. Die Schriftstellerin Dina Nayeri beschreibt, wie ihre Fluchterfahrung ihre Identität bis heute zutiefst prägt. Und »Blätter«-Mitherausgeber Rudolf Hickel plädiert für soziale Gerechtigkeit bei der Begleichung der gewaltigen Corona-Schulden.

Zur Ausgabe Probeabo