Ausgabe Mai 2007

Bellizismus als Solidarität?

Ohne Zweifel ist Micha Brumlik eine viel beachtete und gewichtige Stimme in der deutschen Debatte um das Verhältnis zur israelischen Politik. Mancher mag sich sogar etwas ängstlich gehemmt fühlen, in die Diskussion mit ihm einzutreten, denn es kann geschehen, dass Professor Brumlik Teilnehmer mit strengem Gestus des Debattenfeldes verweist, wie auch in seinem Beitrag in der Aprilausgabe der „Blätter“ geschehen: Da haben sich doch nach seinem unbestechlichen Urteil einige „aus jedem konstruktiven Diskurs hinauskatapultiert“. Ein Protagonist wird sogar (vielleicht wie ein „nützlicher Idiot“?) von „Teilen der Friedensbewegung als Redner durchs Land gereicht“, möglicherweise von genau denen, die Micha Brumlik ja bereits anlässlich des Golfkriegs 1991 als „Antisemiten im Friedenspelz“ ausgemacht hatte. – Trotz solcher Gefahren will ich hier einige Widersprüchlichkeiten benennen, die mir im Brumlikschen Beitrag auffielen.

Erstens: Wer ist kritikberechtigt? Zwar ist es „in der globalisierten Welt das selbstverständliche Recht, vielleicht sogar die Pflicht eines jeden Menschen […], gegen Menschenrechtsverletzungen allüberall einzutreten. […] Das Gewicht, nicht die Berechtigung von Kritik aber ist allemal an die Bereitschaft von Verantwortung gebunden – eine Verantwortung, die der universalistische Grosser völlig zu Recht […] in Europa, nicht aber für Israel wahrnehmen kann.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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