Ausgabe Mai 2008

Spekulationsobjekt Reis

Sowohl der neue Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, als auch der Weltbankchef, Robert Zollick, machten bei ihrer Jahrestagung in Washington Mitte April Schlagzeilen mit dem globalen Preisanstieg wichtiger Lebensmittel und deren Verknappung – eine höchst ungelegene Entwicklung, ausgerechnet zu einer Zeit, in der die internationale Kreditkrise Banken in die Knie zwingt und die Finanzminister des Westens unter Druck setzt.

Die Nahrungsmittelkrise ist echt. Der Preis für Reis – das Grundnahrungsmittel großer Teile Asiens – stieg binnen zweier Monate um 75 Prozent. Und Weizen, der für die meisten Länder des Westens eine ähnlich wichtige Rolle spielt, wurde im Jahresverlauf um 120 Prozent teurer. Diese Entwicklung bedroht schwache Länder mit Hungersnot. Schon jetzt kommt es in Ägypten, Haiti und anderswo zu Hungerunruhen. Das erklärt die Dringlichkeit der Forderung nach zusätzlichen Mitteln für die Finanzierung von Hilfsprogrammen.

Die gängigen Erklärungen für den Preisschub machen das Bevölkerungswachstum, die Erzeugung von Bio-Treibstoffen, die wachsende Lebensmittelnachfrage in Asien und Mittelost, gestiegene Transportkosten und Missernten für den Preisanstieg verantwortlich. Erstaunlich wenig Beachtung findet die Rolle der Spekulation.

Bei der CME Group in Chicago werden rund 25 landwirtschaftliche Erzeugnisse gehandelt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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