Ausgabe Mai 2008

Spekulationsobjekt Reis

Sowohl der neue Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, als auch der Weltbankchef, Robert Zollick, machten bei ihrer Jahrestagung in Washington Mitte April Schlagzeilen mit dem globalen Preisanstieg wichtiger Lebensmittel und deren Verknappung – eine höchst ungelegene Entwicklung, ausgerechnet zu einer Zeit, in der die internationale Kreditkrise Banken in die Knie zwingt und die Finanzminister des Westens unter Druck setzt.

Die Nahrungsmittelkrise ist echt. Der Preis für Reis – das Grundnahrungsmittel großer Teile Asiens – stieg binnen zweier Monate um 75 Prozent. Und Weizen, der für die meisten Länder des Westens eine ähnlich wichtige Rolle spielt, wurde im Jahresverlauf um 120 Prozent teurer. Diese Entwicklung bedroht schwache Länder mit Hungersnot. Schon jetzt kommt es in Ägypten, Haiti und anderswo zu Hungerunruhen. Das erklärt die Dringlichkeit der Forderung nach zusätzlichen Mitteln für die Finanzierung von Hilfsprogrammen.

Die gängigen Erklärungen für den Preisschub machen das Bevölkerungswachstum, die Erzeugung von Bio-Treibstoffen, die wachsende Lebensmittelnachfrage in Asien und Mittelost, gestiegene Transportkosten und Missernten für den Preisanstieg verantwortlich. Erstaunlich wenig Beachtung findet die Rolle der Spekulation.

Bei der CME Group in Chicago werden rund 25 landwirtschaftliche Erzeugnisse gehandelt.

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