Ausgabe Mai 2009

New Old Hollywood

Clint Eastwood legt derzeit sein Alterswerk vor und wird nicht nur als Ikone mit einer langen Vergangenheit, sondern auch als neuer Star gefeiert. Zum Mainstream der gegenwärtigen kommerziellen Hollywood-Produktion von ActionFilmen für Halbwüchsige – angesichts derer, wie Georg Seeßlen bemerkt, der Filmkritiker an seinem Beruf verzweifeln müsste – erscheinen die Filme der Alten (so auch Woody Allens Vicky Christina Barcelona und Francis Ford Coppolas Jugend ohne Jugend) als vitale wie auch intelligente Gegenströmung. Sie überzeugen nicht nur durch ihre technische, narrative und inszenatorische Professionalität, sondern scheinen auch neue, bittere Antworten auf die Frage liefern zu wollen, wo das Hollywood-Kino heute steht und was es noch zu sagen hat.

Eastwoods letzte Filme (Million Dollar Baby 2004, Letters from two Jima 2006, Changeling – Der fremde Sohn 2008) stellen Helden vor, die tragisch enden. Sie scheinen überdies manche Konventionen zu negieren, von denen der Hollywood-Erzählstil lebt. Der alte Korea-Veteran und ehemalige Ford-Arbeiter Walt Kowalski in Eastwoods neuestem Film Gran Torino will eigentlich nur seine Ruhe im Ruhestand haben, wird aber in die Auseinandersetzungen seiner Nachbarschaft aus asiatische Einwanderern hineingezogen.

Sie haben etwa 17% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 83% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

Zur Ausgabe Probeabo