Ausgabe November 2009

Vertrauen und Bouletten

Haben Sie zu einer Koalition Vertrauen, die, obwohl die Bundeskasse leer ist, Steuern senken will? Glauben Sie den Regierungsparteien, dass die AKW-Laufzeiten verlängert werden müssen, derweil die angebliche „Stromlücke“ vom Umweltbundesamt als „Phantom“ bezeichnet wird? Trauen Sie einem adligen Nachwuchsminister, dessen Bruder das Familienschloss in eine steuersparende Stiftung überführt? Nein? Also weg mit den Koalitionären!

Gewiss, bei Steuersenkungen, zum Beispiel fürs Erben, oder bei lustigen Langlaufzeiten für strahlende Energiebetriebe geht es um Milliarden. In solch luftigen Höhen leidet mancher Gesetzgeber unter Höhenangst und mancher Richter unter seinem Parteibuch. Doch im Kleinen, ganz unten, auf der Frikadellen-Ebene deutet sich wahrer Fortschritt an: Im Januar 2010 kommen die Vertrauens-Frikadellen erneut vor Gericht. Denn zwei Mitarbeiterinnen des Westfälischen Bauverbandes hatten, nach Ende einer Sitzung, übrig gebliebene Brötchen und eine Frikadelle gegessen. Nun mag dieser oder jener einwenden, dass so eine Frikadelle doch eher eine Bagatelle sei. Doch leben wir in einem Land mit einer Rechts-Ordnung, und diese sollte nicht vergeblich so heißen.

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