Ausgabe August 2011

Kurzgefasst

Jürgen Habermas: Wie demokratisch ist die EU? Die Krise der Europäischen Union im Licht der Konstitutionalisierung des Völkerrechts

In der aktuellen Debatte über die Banken-, Schulden- und Währungskrise erscheint die Europäische Union allzu oft lediglich als Wirtschaftsgemeinschaft. Dieser ökonomistischen Blickverengung – auch und gerade auf Seiten der Bundesregierung – widerspricht Jürgen Habermas, Professor em. für Philosophie an der Universität Frankfurt am Main und Mitherausgeber der „Blätter“. Er betont, dass die EU schon immer ein primär politisches Projekt gewesen ist, und fordert die Bundesregierung auf, sich endlich wieder für eine Fortsetzung und Vertiefung der europäischen Einigung einzusetzen.

Karl Schlögel: Russlands zweite Modernisierung

Zwei Jahrzehnte nach dem Ende der Sowjetunion ist Russland ein Land der Gegensätze: Während die Oligarchen im Luxus schwimmen, lebt der Großteil der Bevölkerung in bitterer Armut. In einer großen historischen Bilanz des 20. Jahrhunderts geht Karl Schlögel, Professor für Osteuropäische Geschichte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder, den Ursachen der Ungleichzeitigkeiten auf den Grund.

Reinhard Loske: Effizienz versus Suffizienz: Das grüne Schisma

Derweil die Grünen einen nicht gekannten Aufschwung erleben, vertieft sich in Partei und Umweltbewegung die Spaltung zwischen den Vertretern zweier Denkrichtungen: Während die Effizienzrevolutionäre auf neue technologische Lösungen setzen, fordern die Protagonisten der Suffizienz einen gesellschaftlichen Kulturwandel. Reinhard Loske, bis Mai d.J. Umweltsenator des Landes Bremen, analysiert den grünen Glaubenskrieg und entwickelt Vorschläge für einen Ausweg aus dem Dilemma.

Janna Greve: Die dunkle Seite des Rohstoff-Booms. Wie der Bergbau die Menschenrechte untergräbt

Ohne Rohstoffe keine Energieversorgung, keine Hightech-Industrie und keine Luxusgüter – wir hängen alle am Tropf der Minenindustrie. Die Politikwissenschaftlerin Janna Greve richtet den Blick hinter die Kulissen des globalen Rohstoffabbaus. Dabei fördert sie zu Tage, was üblicherweise im Verborgenen bleibt: Rohstoffgewinnung bedeutet allzu oft die skrupellose Ausbeutung von Mensch und Natur.

Ellen Ehmke: Indien: Arbeit für alle? Das größte Beschäftigungsprogramm der Welt

Indiens rasantes Wirtschaftswachstum führt nicht nur zu einer wachsenden Mittelschicht, sondern auch zu steigender Armut. Um diese einzudämmen, hat die indische Bundesregierung ein gigantisches Beschäftigungsprogramm aufgelegt. Die Politikwissenschaftlerin Ellen Ehmke analysiert Konzept, Umfang und Wirkung des Programms: Führt es zu einem gerechteren Wachstum?

Andrej Holm: Das Recht auf die Stadt

Unter dem Stichwort „Recht auf die Stadt“ konstituieren sich weltweit neue städtische Protestbewegungen. Der Stadtsoziologe Andrej Holm fragt nach den Ursprüngen und Inhalten des populären Slogans. Anhand zahlreicher Beispiele insbesondere aus Hamburg und Berlin zeigt er, wie Aufwertungsprozesse in der „unternehmerischen Stadt“ äußerst unterschiedliche soziale Gruppen zum Protest bewegen – von den Marginalisierten bis hin zum „Aufstand der Mittelklasse“.

Benjamin Mikfeld: Auf der Suche nach dem Gemeinsamen. Überlegungen
zur Zukunft der pluralen Linken

Die Linke geht aus der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise nicht gestärkt, sondern geschwächt hervor. In seiner Suche nach den Ursachen der Mobilisierungsschwäche setzt der Sozialwissenschaftler Benjamin Mikfeld auf einen Rückgriff auf Glotz und Gramsci: Denn nur wenn die plurale Linke die gesellschaftliche Hegemonie in den Blick nimmt, kann sie aufklärerische Antworten und neue Strategien formulieren. 

Vanessa Brandes: Literarische Grenzziehungen. Die Schriftsteller und der Mauerbau

Durch den Mauerbau am 13. August 1961 wurde die Spaltung Deutschlands gewissermaßen vollendet. Die Literaturwissenschaftlerin Vanessa Brandes fragt nach der Interpretation dieser Spaltung durch die junge Schriftstellergeneration jener Zeit: Wie sahen Hans Magnus Enzensberger und Peter Hacks, Christa Wolf und Heiner Müller, Walter Kempowski, Uwe Johnson und Günter Grass die politischen Folgen der Teilung?

 

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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