Ausgabe Dezember 2013

Kurzgefasst

Alan Rusbridger: Die Welt nach Snowden. Der »Guardian« und sein Kampf um Aufklärung, S. 37-49

Kein anderes Ereignis in diesem Jahr hatte derartige Auswirkungen auf die internationalen Beziehungen wie die Enthüllungen Edward Snowdens. Erstmals veröffentlicht wurden sie Anfang Juni im britischen „Guardian“. Dessen Chefredakteur Alan Rusbridger zeichnet minutiös nach, mit welchen Mitteln Regierung und Geheimdienste die Presse seither einschüchtern. So entsteht das Bild einer regelrechten Schlacht mit polizeilichen und medialen Mitteln – zwischen dem Sicherheitsestablishment und den britischen Medien.

Joscha Schmierer: Der Staat als Guerillero: Obamas »War on Terror«, S. 50-58

Mit dem Antritt Barack Obamas als US-Präsident im Jahr 2008 versprach sich die Welt eine Abkehr von der Außenpolitik seines Vorgängers George W. Bush. Ein fataler Irrtum, denn der Krieg gegen den Terror geht weiter, wenn auch mit fundamental anderen Mitteln – so die These von Joscha Schmierer, langjähriger Mitarbeiter im Planungsstab des Auswärtigen Amtes. Drohnen, Virenprogramme und globale Ausspähung stünden für den Versuch Obamas, den asymmetrischen in einen symmetrischen Krieg zu verwandeln.

Gerhard Stuby: Europas Zukunft: Mit oder ohne Demokratie?, S. 59-65

Seit ihrer Gründung hat die Europäische Union zahlreiche Definitionsversuche erlebt – als UN-Unterorganisation, als Protostaat oder als Staatenbund. Was bei all dem gleich geblieben ist, sind die antidemokratischen Traditionen des gesamten EU-Projektes, so der Jurist und „Blätter“-Mitherausgeber Gerhard Stuby. Die europäische Integration befinde sich daher in einer zweifachen Sackgasse: monetär-ökonomisch als auch politisch-demokratisch.

Tilman Santarius: Der Rebound-Effekt: Die Illusion des grünen Wachstums, S. 67-74

Effizienzrevolution und grünes Wachstum sind die Schlagworte der Stunde – auf den Klimagipfeln von Rio bis Warschau. Dennoch steigt der Ressourcenverbrauch unvermindert an. Der Soziologe Tilman Santarius bringt gegen die Illusion der Green Economy den Rebound-Effekt in Stellung. Dieser belegt, dass bisher jede Produktivitätssteigerung nicht zu einem Rückgang, sondern zu einer Steigerung des Konsums geführt hat. 

Heribert Prantl: Familie ist kein Stillleben. Vom Oikos zur Kleinfamilie zur Homo-Ehe, S. 75-86

Nur Weniges hat sich historisch so sehr verändert wie die Umstände, unter denen Kinder aufwachsen: von der sozialen Ausgrenzung von sogenannten Bastarden über die Etablierung des „Idylls“ der Kleinfamilie bis hin zur Anerkennung unterschiedlicher Lebensgemeinschaften. Heribert Prantl, Ressortleiter Innenpolitik der „Süddeutschen Zeitung“, fragt nach der Rolle des Rechts in diesem Prozess. Und er wagt eine neue Definition der Familie – als jenem Ort, der Kindern Schutz und Nähe gewährt.

Ekkehart Krippendorff: Der »Fall Eschenburg«: Die Bankrotterklärung der Politikwissenschaft, S. 87-93

Ende Oktober entschied der Vorstand der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW), den Theodor-Eschenburg-Preis zukünftig nicht mehr zu vergeben. Er begründete diesen Schritt mit der umstrittenen Rolle des Gründervaters der Zunft während der NS-Zeit. Der Politikwissenschaftler und Eschenburg-Schüler Ekkehart Krippendorff übt an der Entscheidung heftige Kritik. Ohne eine eingehende Klärung der Vorwürfe bedeute die Beerdigung des Preises eine Bankrotterklärung der Politikwissenschaft. 

Daniela Dahn: »Hier bin ich Mensch, hier greif’ ich ein«. Was Schriftsteller bewirken können – ein Erfahrungsbericht, S. 94-104

Ob Kurt Tucholsky oder Günter Grass, Jean-Paul Sartre oder Albert Camus: Schon immer zielten engagierte Autoren auf eine gesellschaftlich-politische Wirkung ihres Schreibens, nicht selten mit geringem Erfolg. Befragt nach dem Einfluss ihrer eigenen Werke kommt Daniela Dahn, Schriftstellerin erst in der DDR, dann in der Bundesrepublik, zu einem ernüchternden Fazit: Literatur verändere in erster Linie Individuen – den Leser wie den Autor –, politisch dagegen halte sich ihre Wirksamkeit in engen Grenzen.

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

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