Ausgabe November 2016

60 Jahre »Blätter«

Aus Sorge um Deutschland“ titelten die „Blätter“ vor 60 Jahren, in ihrer ersten Ausgabe, die am 25. November 1956 erschien. Heute könnte es heißen: „Aus Sorge um die Demokratie“ – und zwar in Europa und darüber hinaus. Nach der Wahl in den USA folgen 2017 die Urnengänge in drei Kernländern der EU, den Niederlanden, Frankreich und der Bundesrepublik. Und auch hier ist der Aufstieg der Rechtspopulisten unübersehbar. Der westeuropäische Nachkriegskonsens, ein durch demokratische und soziale Teilhabe zumindest teilweise gehegter Kapitalismus, scheint gescheitert. Wie ist die Demokratie noch zu retten? Das ist nur eine der großen Fragen, denen wir uns auch in Zukunft widmen werden – ganz in der Tradition der „Blätter“.

Ihre bewegte Geschichte (dazu mehr auf unserer Website und in den Heften 11 und 12/2006) hat die Zeitschrift über Köln nach Bonn und schließlich vor dreizehn Jahren nach Berlin geführt. Obwohl bekanntlich die gesamte Zeitungsbranche schwer zu kämpfen hat, wachsen die „Blätter“ stetig, gegen den Trend. Heute beträgt die Auflage 10 000 Exemplare, davon mehr als 8000 Abos, Tendenz klar steigend. Damit sind wir die meistgelesene politisch-wissenschaftliche Monatszeitschrift im deutschen Sprachraum und als Eigenverlag vollkommen unabhängig von Medienkonzernen, Kirchen und Parteien.

In den letzten Jahren hat sich die Redaktion, bestehend aus Daniel Leisegang, Albrecht von Lucke und Annett Mängel, mit Anne Britt Arps und Steffen Vogel schlagkräftig verstärkt. Auch deshalb, weil sich der Umfang unserer Tätigkeiten beständig erweitert hat: Zum einen geben wir seit zehn Jahren die edition Blätter heraus, mit inzwischen sechs Bänden zu den „Blätter“-Schwerpunkten Globalisierungs- und Kapitalismuskritik, Zukunft des vereinten Europas und Postwachstum. Zum anderen erscheinen die „Blätter“ längst auch in unterschiedlichen digitalen Formaten auf www.blaetter.de.

Aber vor allem motiviert uns der Wunsch, gerade in diesen Zeiten einer vielfachen Gefährdung der offenen Gesellschaft noch stärker in den öffentlichen Raum hineinzuwirken. Für diese Intervention in aktuelle politische Debatten steht die jährliche, stets sehr gut besuchte „Democracy Lecture“ der „Blätter“ in Kooperation mit dem „Haus der Kulturen der Welt“. Unsere bisherigen Redner waren Thomas Piketty, Naomi Klein und Paul Mason. Die vierte „Democracy Lecture“ folgt im Frühjahr 2017.

Nach wie vor den großen Herausforderungen der Gegenwart verpflichtet, hoffen wir auf weitere gute 60 Jahre – mit Ihnen und Ihren „Blättern für deutsche und internationale Politik“.

Berlin, im Oktober 2016

Redaktion und Verlag

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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