Ausgabe Februar 2017

Kurzgefasst

Michael T. Klare: Die Welt, wie Trump sie sieht, S.41-46

Donald Trumps außenpolitische Vorstellungen gelten vielen Beobachtern als unklar oder inkohärent. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der neue Präsident durchaus über ein klares Bild der US-amerikanischen Rolle in der Welt verfügt. Dieses allerdings, so der Friedensforscher Michael T. Klare, sprengt das bekannte Bündnisdenken: Trump sieht die USA in einem ständigen Konkurrenzkampf mit anderen Mächten. Dabei gelte die Devise: US-Interessen zuerst!

James S. Henry: Wie Donald Trump lernte, Russland zu lieben. Deals und Seilschaften aus den Zeiten der Schocktherapie, S. 47-69

Während die Welt darüber rätselt, wie sich die russisch-amerikanischen Beziehungen unter Donald Trump zukünftig entwickeln, nimmt der Investigativjournalist James S. Henry dessen Geschäftsbeziehungen in die Länder der ehemaligen Sowjetunion unter die Lupe. Seine Erkenntnis: Trump verfügt über ein weit verzweigtes Netzwerk, das aus der Privatisierungswelle der 1990er hervorging – und auch Mafiaverdächtige umfasst.

Nancy Fraser: Für eine neue Linke oder: Das Ende des progressiven Neoliberalismus, S. 71-76

Mit Hillary Clinton hat auch der progressive Neoliberalismus verloren. Er war ein Bündnis zweier scheinbar unvereinbarer Subjekte: den sozialen Bewegungen und dem finanzialisierten Kapitalismus. Der progressive Neoliberalismus habe zwar die gesellschaftliche Vielfalt gestärkt, dabei aber die ökonomischen Nöte vieler Amerikaner ignoriert, so die Politikwissenschaftlerin Nancy Fraser. Daher bedarf es einer neuen Linken, die an die Kampagne von Bernie Sanders anschließt.

Zygmunt Bauman: Der neue Hass aufs Establishment und die Sehnsucht nach dem Feind, S. 77-82

Der klassische Liberalismus stützte sich auf die Wertetriade von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Im Neoliberalismus hingegen führte der zunehmende Verlust des Egalitätsgedankens zur Spaltung der Gesellschaft. Daraus erwuchs ein geballter Hass auf das Establishment, so der Soziologe Zygmunt Bauman. Das machen sich Politiker wie Donald Trump zunutze. Er verkörpert den Willen zur Feindschaft und die Sehnsucht nach einem dezisionistischen Führer, ganz in der Tradition Carl Schmitts.

Dieter Klein: Wo sind die aufgeklärten Eliten? Plädoyer für einen globalen New Deal des 21. Jahrhunderts, S. 83-92

Nach der Weltwirtschaftskrise und der globalen Klimakrise folgt nun die Krise der liberalen Demokratie. Doch Krisen eröffnen immer Räume potentieller Veränderungen. Progressive Transformationen, so der Politikwissenschaftler Dieter Klein, erfordern jedoch eine gewisse Zustimmung der Machteliten. Das historische Beispiel des New Deal könnte als Inspirationsquelle linker Strategien dienen, um sozioökonomische Interventionen in eine neue gesellschaftliche Erzählung einzubinden.

Ulrich Brand, Kristina Dietz und Miriam Lang: Weniger Staat wagen. Lateinamerikas Linke vor dem Neubeginn, S. 93-98

Lateinamerika ist in den letzten Jahren deutlich nach rechts gerückt. Selbst vor den Linksregierungen macht dieser Trend nicht halt. Diese bedienen sich zunehmend autoritärer Methoden und schreiben soziale und koloniale Ungleichheiten fort, so der „Blätter“-Mitherausgeber Ulrich Brand und die Politik- und Sozialwissenschaftlerinnen Kristina Dietz und Miriam Lang. Die emanzipatorischen Bewegungen müssen sich neu orientieren – und jenseits des Staates für gesellschaftlichen Wandel kämpfen.

Thomas Stauber: Safranfarbene Schocktherapie. Wie der Hindunationalismus die indische Gesellschaft spaltet, S. 99-108

Gerne lässt sich der indische Premier Narendra Modi für seine Pläne zur wirtschaftlichen Modernisierung feiern. Doch gleichzeitig steht seine Partei für einen aggressiven Hindunationalismus. Das aber ist kein Widerspruch, so der Soziologe Thomas Stauber. Vielmehr enthalten beide Ideologien – Hindunationalismus und Neoliberalismus – einen autoritären Kern, der sich in Modis Politik verbindet.

Seyla Benhabib: Von Türken, Juden und Armeniern: Der Kampf um die Erinnerung, S. 109-120

Derweil Erdogan die Türkei zu einer Präsidialdiktatur ausbaut, verspricht er Millionen geflohenen Syrern die Staatsbürgerschaft. Schon immer zeichnete sich die Türkei sowohl durch Grausamkeit als auch durch Großzügigkeit aus, erinnert die Philosophin und „Blätter“-Mitherausgeberin Seyla Benhabib. Heute, in Zeiten der Wiederkehr unterdrückter islamischer Vergangenheiten, tobt in der Türkei ein Kampf um die Erinnerung, geführt von Türken, Juden und Armeniern – mit teils unerwarteten politischen Folgen.

Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

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