Ausgabe Juli 2020

Kurzgefasst Juli 2020

Michael Pollan: Das große Schlachten. Corona und die kranke Effizienz unserer Lebensmittelindustrie, S. 51-58

Immer mehr US-Amerikaner sind auf Lebensmittelspenden angewiesen, während Farmer zugleich tausende Hühner keulen und tonnenweise Lebensmittel vernichten müssen. Dieses Missverhältnis zeigt sich gerade im Zuge der Corona-Pandemie. Verantwortlich dafür, so der Journalist Michael Pollan, ist die enorme Konzentration in der US-Lebensmittelindustrie. Sie hat ein System hervorgebracht, das nicht nur auf brutale Effizienz setzt, sondern auch einer ungesunden Ernährungsweise Vorschub leistet – und so die Anfälligkeit für Covid-19 verstärkt.

Ibram X. Kendi: Der amerikanische Albtraum, S. 59-65

Die gewaltsame Tötung des Afroamerikaners George Floyd durch einen weißen Polizisten schockiert die amerikanische Öffentlichkeit. Doch ist diese Gewalt nicht neu, sondern steht in einer langen Tradition, wie der Historiker Ibram X. Kendi zeigt. Auch nach dem Ende der Sklaverei wird schwarzes Leben permanent abgewertet. Afroamerikaner leben in einem permanenten Albtraum, den viele weiße Amerikaner bewusst ignorieren. Um dies zu beenden, müssen die Amerikaner eine Entscheidung treffen: für oder gegen den Rassismus.

Keeanga-Yamahtta Taylor: Ein neues Amerika. Wie wir das rassistische System abschaffen, S. 67-78

Den Protesten infolge der brutalen Tötung Geoge Floyds in den USA gehen Jahrzehnte rassistischer Diskriminierung, Gewalt und erfolgloser Reformen voraus, so die Soziologin Keeanga-Yamahtta Taylor. Um das Land zu transformieren, braucht es daher weit mehr, als eine brutale Polizei in ihre Schranken zu weisen – nämlich die Schaffung eines gänzlich neuen Amerika.

Gary Younge: Toxische Nostalgie: Rassismus in Europa, S. 79-87

Besonders in traumatischen, von Krise und Protest geprägten Zeiten hat sich Europa mit dem Schwarzen Amerika identifiziert. Diese Tradition bietet allerdings nicht nur dem Minderwertigkeitskomplex Europas erheblichen Raum, wie der Soziologieprofessor Gary Younge erläutert. Darüber hinaus gerate dabei auch Europas eigene Kolonialgeschichte sowie der grassierende Rassismus diesseits des Atlantiks aus dem Blick.

Marvin Oppong: Ganz normal in Deutschland: Rassismus in der Polizei, S. 89-96

Anlässlich der Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA wird endlich auch in Deutschland über beide Phänomene diskutiert. Das ist längst überfällig, meint der Journalist Marvin Oppong. Er hat am eigenen Leib rassistische Gewalt durch die hiesige Polizei erfahren. Die notwendigen Veränderungen seien nur durch mehr Diversität in den Behörden möglich – damit Menschen, die im öffentlichen Dienst arbeiten, endlich über ein Mindestmaß an interkultureller Kompetenz verfügen.

Albrecht von Lucke: Die Corona-Wende: Markus Söder ante portas, S. 97-105

Die Coronakrise hat die Koordinaten der deutschen Innenpolitik völlig auf den Kopf gestellt. Aus einem knappen Vorsprung der Grünen vor einem Jahr ist ein schier uneinholbarer der Union geworden. „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke beleuchtet die Chancen der Parteien und ihrer potentiellen Kanzlerkandidaten – wie auch die Möglichkeit, einen Durchmarsch der Union bis zum Herbst 2021 doch noch zu verhindern.

Hans-Peter Waldrich: Philosophen gegen die Bombe. Wie wir der herrschenden Apokalypseblindheit trotzen, S. 106-114

Die Coronakrise absorbiert derzeit die gesamte politische und mediale Aufmerksamkeit. Eine andere, ungleich größere Bedrohung wird dagegen fast vollkommen ignoriert, nämlich die Modernisierung der Atomwaffen. Völlig anders, so der Politikwissenschaftler und Publizist Hans-Peter Waldrich,  war die Situation nach dem Abwurf der ersten Atombomben vor 75 Jahren. Damals entspann sich eine große Debatte unter Europas Intellektuellen, von bis heute brennender Aktualität.

Christoph Fleischmann: Förderung in alle Ewigkeit? Wie der Staat den Kirchen auf den Leim geht, S. 115-120

Seit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 überweist der Staat den Kirchen Jahr für Jahr Hunderte Millionen Euro zur freien Verfügung. Und obwohl eigentlich schon die Weimarer Reichsverfassung diese Praxis beenden sollte, kommt erst jetzt wirklich Bewegung in die Sache. Der Theologe und Journalist Christoph Fleischmann analysiert die Lage und warnt davor, dass das Allgemeinwohl am Ende erneut unter die Räder der Kircheninteressen kommen könnte.

Aktuelle Ausgabe September 2020

In der September-Ausgabe erkennt der Philosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas im Wiederaufbauplan der EU – 30 Jahre nach der Zäsur von 1989/90 – eine zweite Chance für die innerdeutsche wie auch für die europäische Einheit. Die Literaturwissenschaftlerin Sarah Churchwell beleuchtet die langen Linien des amerikanischen Faschismus – vom Ku-Klux-Klan bis zu Donald Trump. Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze plädiert angesichts des Handelskriegs zwischen China und den USA für eine neue globale Entspannungspolitik. Und die Islamwissenschaftlerin Alexandra Senfft portraitiert den Kampf der Frauen gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

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