Ausgabe Mai 2020

Kurzgefasst

Adam Tooze: Unsere Normalität kehrt nicht zurück, S. 47-52

Die Coronakrise drängt zu Vergleichen mit anderen historischen Einschnitten wie dem Kriegsbeginn 1914. Doch diese Analogien verstellen den Blick auf das radikal Neuartige dieser Situation, so der Historiker Adam Tooze. Noch nie zuvor hat es in Friedenszeiten einen derartigen Einbruch der Wirtschaft gegeben. Die Folgen werden uns auf Jahrzehnte beschäftigen.

Kurt M. Campbell und Rush Doshi: China versus USA: Corona und die neue Weltordnung, S. 53-59

Die geopolitischen Folgen der Corona-Pandemie könnten gewaltig sein, insbesondere mit Blick auf die Rolle der USA, so die Politikwissenschaftler Kurt M. Campbell und Rush Doshi. Denn während Washington im Kampf gegen die Pandemie versagt, positioniert sich Peking als neue globale Führungsmacht. Würden beide Länder hingegen miteinander kooperieren, könnte dies auch bei der Bewältigung anderer globaler Probleme helfen.

Yuval Noah Harari: Mehr Kooperation wagen: Das Heilmittel gegen Corona, S. 60-64

Wenn wir die Welt deglobalisieren, werden wir damit nicht verhindern, dass künftig ähnlich verheerende Epidemien wie Covid-19 auftreten, mahnt der Historiker Yuval Noah Harari. Denn das echte Antidot gegen Epidemien heißt nicht etwa Segregation, sondern vielmehr Kooperation.

Günther Bachmann: Exit ist nicht genug: Warum Nach-Corona nicht Vor-Corona sein darf, S. 65-70

Die Coronakrise verweist im Kern auch auf das fatale Mensch-Natur-Verhältnis im Anthropozän. Doch während Gesundheit nun im Fokus der Politik steht, droht die Klimathematik ins Hintertreffen zu geraten. Der Nachhaltigkeitsexperte Günther Bachmann plädiert dagegen für einen neuen Umgang mit globalen Risiken und einen starken Vorsorgestaat.

Simone Schlindwein, Ellen Ehmke, Jessé Souza und Franziska Fluhr: Die globale Seuche: Afrika, Indien, Brasilien und Iran, S. 71-87

Bislang wütet das Coronavirus vorwiegend im globalen Norden. Doch schon bald könnte sich das Epizentrum der Seuche von Europa und den USA in den globalen Süden verlagern. Wie aber gehen die dortigen, hoch gefährdeten Gesellschaften mit der Pandemie um? Dem widmen sich die Journalistin Simone Schlindwein, die Politikwissenschaftlerin Ellen Ehmke, der Soziologe Jessé Souza und die Philosophiestudentin Franziska Fluhr.

Albrecht von Lucke: Demokratie in der Bewährung. Weltkrieg versus Corona, Politik im Ausnahmezustand, S. 89-96

75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs ist weltweit wieder von einem Krieg die Rede, allerdings gegen das Virus. „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke analysiert, wie mit der Kriegssemantik Politik gemacht wird. Mit Hilfe des Ausnahmezustands werden vormals offene Gesellschaften zu Autokratien umgebaut; dagegen gilt es, die Demokratie global zu verteidigen.

Helmut Fehr: Der Putsch gegen die Demokratie. Wie sich die Autokraten in Polen und Ungarn der Corona-Angst bedienen, S. 97-104

Die Angst vor dem Virus ist auch eine Chance für autokratische Politiker bei ihrem Kampf gegen die Demokratie. Der Soziologe Helmut Fehr zeigt auf, wie die starken Männer in Ungarn und Polen aus der Stunde der Exekutive einen Putsch der Exekutive machen, um im Zeichen der Virus-Bekämpfung Gewaltenteilung und Rechtsstaat zu schleifen.

Wolfram Grams: Die Nazis hüben und drüben. Wie braun waren beide deutsche Staaten?, S. 105-112

Anders als in der Bundesrepublik fand in den Institutionen der DDR nach 1945 ein umfassender Austausch des nationalsozialistischen Personals statt. Dennoch kam es gegen Ende der DDR zu erheblichen neonazistischen Bewegungen. Der Politikwissenschaftler Wolfram Grams analysiert die Gründe dafür, wie auch die braunen Kontinuitäten in Westdeutschland.

Thomas Piketty: Eigentum auf Zeit. Elemente eines partizipativen Sozialismus für das 21. Jahrhundert, Teil II, S. 113-120

Nie war der gesellschaftliche Reichtum größer als gegenwärtig, nie aber auch die Einkommens- und Vermögenskonzentration an der Spitze. Gegen die außer Kontrolle geratenen digitalkapitalistischen Verhältnisse skizziert der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty einen Sozialismus für das 21. Jahrhundert – durch Eigentumsstreuung, allgemeine Kapitalausstattung und neue Machtverhältnisse in den Unternehmen.

Aktuelle Ausgabe Juni 2020

In der Juni-Ausgabe analysiert die Journalistin Kate Aronoff, wie sich Corona-Pandemie, Verschuldung und Klimawandel im globalen Süden zu einer dreifachen Krise verschränken. Die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman zeigen, wie die einst progressive Steuerpolitik der USA durch eine systematische Bevorzugung der Reichen abgelöst wurde. Der Agrarwissenschaftler Knut Ehlers und der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, plädieren für eine radikale Transformation der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit. Und »Blätter«-Redakteur Steffen Vogel ergründet den Zusammenhang zwischen Verschwörungsglaube und Popkultur.

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