Ausgabe August 2022

Machtkampf in Italien: Die Suche nach dem neuen Zentrum

Giuseppe Conte, Präsident der italienischen 5-Sterne-Bewegung. Im Hintergrund ist Mario Draghi zu sehen, 11.5.2022 (IMAGO / ZUMA Wire)

Bild: Giuseppe Conte, Präsident der italienischen 5-Sterne-Bewegung. Im Hintergrund ist Mario Draghi zu sehen, 11.5.2022 (IMAGO / ZUMA Wire)

In knapp einem Jahr finden in Italien Parlamentswahlen statt, und Premier Mario Draghi stehen turbulente Monate bevor: Die Corona-Pandemie ist noch nicht ganz besiegt, Italien muss sich weiter strikt an den Reformplan halten, ohne den kein Geld aus dem Next-Generation-EU-Wiederaufbaufonds (NGEU) fließt, zudem bringen Inflation und steigende Preise die Wirtschaft ins Stocken, und ein Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ist nicht Sicht. Doch während Draghi versucht, Italiens Gewicht auf internationaler Ebene zu stärken und sich dank seines Renommees als ehemaliger Chef der Europäischen Zentralbank neben Emmanuel Macron und Olaf Scholz als Stratege zu profilieren, verheddern sich die Parteien wieder in Streitigkeiten und taktischen Spielen.

Seit Monaten tobt etwa ein Machtkampf zwischen dem nationalpopulistischen Lega-Chef Matteo Salvini und Giorgia Meloni, der Vorsitzenden der postfaschistischen Fratelli d’Italia – der einzigen großen Oppositionskraft zu Draghis Allparteienregierung. Verschärft wurde dieser durch die Wiederwahl von Sergio Mattarella zum Staatsoberhaupt Ende Februar. Vor der Wahl hatten sich Meloni, Salvini und Forza-Italia-Chef Silvio Berlusconi darauf geeinigt, gegen ein zweites Mandat für Mattarella zu stimmen. Am Ende hielt aber nur Meloni stand, weshalb sie am Tag nach der Wahl verkündete: „Das Mitte-rechts-Lager gibt es nicht mehr.“

Damit aber nicht genug.

August 2022

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.

»10-Millionen-Schweiz«: Mauern gegen die Polykrise

von Cédric Wermuth

Am 14. Juni stimmt die Schweiz per Referendum über eine Initiative ab, die europaweit Schule machen könnte. Unter dem Titel »Keine 10-Millionen-Schweiz« verlangt die rechtsnationalistische Schweizerische Volkspartei die Einführung eines Bevölkerungsdeckels in der Verfassung.