Ausgabe August 2024

Kurzgefasst

Jörg Später: Adornos Flaschenpost: Was bleibt von der Kritischen Theorie?, S. 51-59

Die Frankfurter Schule hat über Jahrzehnte die intellektuelle Landschaft in der Bundesrepublik geprägt. Auch wenn es nach Adornos Tod in Frankfurt selbst zunächst ruhig wurde, bleibe die kritische Theorie ein wichtiger Orientierungspunkt für politische Reflexion, meint der Historiker Jörg Später.

Adam Serwer: Trump über alles. Wie der Oberste Gerichtshof den Präsidenten über das Gesetz stellt, S. 61-64

Der Supreme Court hat US-Präsidenten absolute Immunität für „offizielle Handlungen“ zugesprochen – eine perverse Verdrehung der Verfassung durch die Trump-freundlichen Richter, so der Journalist Adam Serwer. Die Entscheidung könnte Trump II nahezu unkontrollierte Macht verleihen.

Jon D. Michaels: Trumps tiefer Staat. Wie das »Project 2025« den autoritären Umbau plant, S. 65-72

Um seine Pläne zu verwirklichen, braucht Donald Trump einen gefügigen Staatsapparat. Deshalb planen seine Unterstützer, die Behörden umzubauen und dort Schlüsselpositionen zu besetzen, so der Jurist Jon Michaels. Es drohe ein ganz auf Trump zugeschnittener Staat im Staate.

Bill McKibben: Klimakatastrophe mit Ansage. Was dem Planeten unter Trump II droht, S. 73-76

Unter Joe Biden haben die USA versucht, den Umstieg auf erneuerbare Energien voranzutreiben. Der Autor und Aktivist Bill McKibben analysiert die absehbaren Folgen einer zweiten Trump-Regierung für das Klima. Sein Fazit: Sie würde dem Weltklima irreparablen Schaden zufügen.

Marion Kraske: Die Aktualität von Srebrenica. Von der Leugnung des Genozids zur »Serbischen Welt«, S. 77-84

Dieses Jahr erklärte die UNO den 11. Juli, den Jahrestag des Völkermords in Srebrenica, zum internationalen Gedenktag. Ein wichtiger symbolischer Schritt, so die Politikwissenschaftlerin Marion Kraske. Doch serbische Politiker leugnen den Genozid weiterhin und befeuern damit ihre großserbischen Ambitionen. Dagegen müsse der Westen entschieden vorgehen.

Winfried Nachtwei: Kollektives Führungsversagen. Was die Politik aus 20 Jahren Afghanistaneinsatz lernen sollte, S. 85-92

Im August vor drei Jahren zogen die letzten internationalen Soldaten aus Kabul ab, ohne dass der Westen seine Ziele erreicht hätte. Dieses Scheitern führt Winfried Nachtwei, Mitglied der Afghanistan-Enquete-Kommission des Bundestags, auf Hybris und Strategielosigkeit zurück. Statt das Land den Taliban zu überlassen, müsse die Politik aus ihren Fehlern lernen.

Peter Reif-Spirek: Blaue Aussichten im Herbst. Thüringen vor der Landtagswahl, S. 93-99

Bei der Thüringer Landtagswahl droht ein Ergebnis, das eine Regierungsbildung ohne die AfD sehr schwierig macht. Das BSW könnte sich dabei als Gamechanger erweisen, so der Soziologe Peter Reif-Spirek. In jedem Fall ist ein Verlierer bereits ausgemacht: die liberale Demokratie.

Heike Kleffner und Matthias Meisner: Bedrohung von innen. Rechtsextreme Netzwerke in den Sicherheitsbehörden, S. 101-108

Immer wieder werden rechtsextreme Netzwerke in staatlichen Sicherheitsbehörden aufgedeckt. Der Journalist Matthias Meisner und die Journalistin Heike Kleffner zeigen auf, dass deren Einfluss systematisch unterschätzt wird und warnen vor einer Aushöhlung der Demokratie.

Thomas Fickel und Gesine Langlotz: Die Wut der Bauern: Von rechts beackert, von links ignoriert, S. 109-116

Seit Monaten kommt es in der EU zu großen Bauernprotesten. Doch während diese legitime Anliegen der Landwirte artikulieren, ist an den Protesten auch vieles problematisch, so der Konfliktforscher Thomas Fickel und die Landwirtin Gesine Langlotz. Sollen nicht nur rechte Parteien von den Bauerndemos profitieren, müssen progressive Kräfte endlich aktiv werden.

Andreas Babler: Alternativen zur Dauerkrise. Für eine furchtlose Sozialdemokratie, S. 117-123

Von den multiplen Krisen der Gegenwart scheinen vor allem autoritäre Politiker zu profitieren. Der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Österreichs Andreas Babler fordert dagegen eine mutige Sozialdemokratie, die aktiv soziale Gerechtigkeit und nachhaltige Politikentwürfe umsetzt, anstatt lediglich auf Krisen zu reagieren.

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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