Ausgabe Mai 2024

Kurzgefasst

Jens Beckert: Zwischen Utopie und Resignation. Plädoyer für eine realistische Klimapolitik, S. 43-52

Um die Klimakrise in den Griff zu bekommen, müssten wir uns dringend vom Wachstumsimperativ verabschieden. Das aber ist höchst unrealistisch, argumentiert der Soziologe Jens Beckert. Stattdessen sollten konkrete Maßnahmen ergriffen werden, die gemeinwohlorientiertes Handelns fördern.

Matthew Levinger: Im Teufelskreis des Terrors. Wie Israel der Hamas in die Falle ging, S. 53-58

Auf die Gräueltaten vom 7. Oktober folgte unvorstellbares Leid für die Bevölkerung im Gazastreifen. Die Hamas-Führung provozierte bewusst eine harte Reaktion, um Israel zu delegitimieren, so der Historiker Matthew Levinger. Da die Netanjahu-Regierung über keine Vision für einen Frieden verfüge, müsse sie von außen zu einem Kurswechsel gezwungen werden.

Alexander Gabujew: Pax Sinica: Die unheilige Allianz zwischen Putin und Xi, S. 59-69

Die Annäherung zwischen Russland und China sahen westliche Regierungen lange als vorübergehendes Phänomen. Seit seinem Angriff auf die Ukraine hat Putin jedoch keine andere Wahl mehr, als sich China unterzuordnen, analysiert der Historiker Alexander Gabujew. Nur so könne er die Konfrontation mit dem Westen aufrechterhalten – zur Freude Chinas.

Wolfgang Zellner: Zwischen Sieg und Diktatfrieden: Wie endet der Ukrainekrieg?, S. 71-80

Die Debatte über das Ende des Krieges in der Ukraine hat wieder an Fahrt aufgenommen. Jedoch werden Kriege nicht durch Wunschdenken beendet, konstatiert der Konfliktforscher Wolfgang Zellner. Angesichts der realen Kräfteverhältnisse könne die Ukraine ein für sie akzeptables Ende nur mit mehr Militärhilfe erreichen; sonst drohe ihr die völlige Unterwerfung.

Marion Kraske: Putins dritte Front. Der neu-alte Ethnonationalismus und die Destabilisierung des Balkans, S. 81-88

Die Nähe zwischen Wladimir Putin und Milorad Dodik, Präsident der bosnischen Republika Srpska, zeigt eines deutlich: den russischen Einfluss in der Region. Neben Kroatien ist es vor allem Moskaus Verbündeter Serbien, der die Region destabilisiert, so die Journalistin Marion Kraske. Doch die EU stemme sich nur viel zu halbherzig gegen diese Gefahr.

Sascha Ruppert-Karakas: Die Politik des Zorns. Wie die Vordenker der Neuen Rechten den Umsturz vorbereiten, S. 89-98

Martin Sellner, Frontmann der Identitären Bewegung, und Maximilian Krah, EU-Spitzenkandidat der AfD, gelten als Vordenker der Neuen Rechten. Der Politikwissenschaftler Sascha Ruppert-Karakas analysiert ihre jüngsten Schriften und zeigt auf, wie die beiden Ideologen mittels einer „Metapolitik“ die Bedingungen für den rechten Umsturz schaffen wollen.

Johannes Heesch: Streichposten Adenauer, Brandt, Schmidt? Wie die Bonner Republik aus der deutschen Erinnerungskultur verdrängt wird, S. 99-108

Von Konrad Adenauer bis Helmut Schmidt: Die bedeutendsten Repräsentanten der Bonner Republik werden heute allesamt auf den erinnerungskulturellen Prüfstand gestellt. Hierbei jedoch werden ihre historischen Verdienste vergessen, meint der Politikwissenschaftler Johannes Heesch. Daher gelte es, die demokratischen Errungenschaften der jungen Bundesrepublik wieder ins kollektive Gedächtnis zu rufen.

Natalie Weis: »Der nächste Redner ist eine Dame«. Wie sich Frauen ihren Platz im Bundestag erkämpften, S. 109-116

Im ersten Deutschen Bundestag stellten weibliche Abgeordnete noch die absolute Ausnahme dar. Die Historikerin Natalie Weis beschreibt, wie diese Pionierinnen über politische Gräben hinweg und gegen erhebliche Widerstände für die Verwirklichung eines Versprechens im Grundgesetz kämpften: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ – einen Satz, den erst eine Frau dort hineinverhandeln musste.

Sarah Hackfort: Big Data in der Landwirtschaft. Chance für die sozialökologische Transformation?, S. 117-122

Die Digitalisierung macht auch vor der Landwirtschaft nicht halt. Doch die durch sie wachsende Menge an Daten führt nicht automatisch zu einer präziseren Bewirtschaftung der Böden und zu mehr Nachhaltigkeit, warnt die Politikwissenschaftlerin Sarah Hackfort. Vielmehr nutze sie aktuell vor allem dem Geschäft der großen Agrarkonzerne.

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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