Ausgabe Oktober 2026

Editorial: Tiefgang und Entschleunigung

Liebe Leserinnen und Leser,

vor einiger Zeit haben wir Sie gebeten, bei unserer Umfrage mitzumachen. An dieser haben Sie sich rege beteiligt: Genau 1463 von Ihnen haben den Fragebogen ausgefüllt. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben! Dabei haben wir ein paar Dinge über Sie erfahren. So divers Sie in vielerlei Hinsicht natürlich sind, lässt sich statistisch doch Folgendes sagen: Im Durchschnitt sind Sie mittleren Alters, eher männlich als weiblich und akademisch gebildet, ein knappes Fünftel von Ihnen hat sogar promoviert. Sie wohnen eher städtisch, verfügen über ein mittleres bis hohes Einkommen und wählen eine Partei aus dem linksliberalen Spektrum. Sie informieren sich über die öffentlich-rechtlichen Medien und Tageszeitungen, die jüngeren unter Ihnen auch stark über Social Media. Zudem sind Sie deutlich stärker gesellschaftlich engagiert als der bundesdeutsche Durchschnitt und interessieren sich neben Politik auch für Kultur.

Noch spannender ist für uns aber, was Sie über unsere Zeitschrift denken. Mit den »Blättern«, das freut uns natürlich besonders, sind Sie insgesamt sehr zufrieden: 56 Prozent bewerten die Zeitschrift als »sehr gut«, weitere 38 Prozent als »gut«. Das zeigt sich auch an den Antworten, die Sie uns in den Freitextfeldern mitgegeben haben. Dort heißt es unter anderem, die »Blätter«-Lektüre biete Tiefgang und Entschleunigung sowie einen Argumentationsvorrat für Diskussionen im Bekanntenkreis. Gelobt werden die weitgehende Werbefreiheit und die Themen abseits des Tagesgeschehens. Andere nennen die »Blätter« einen »Informationsspiegel« oder »mein linkes Korrektiv«.

Inhaltlich erwarten Sie von uns vor allem, dass wir fundiertes Hintergrundwissen liefern (86 Prozent), politische Ereignisse sachkundig einordnen (80 Prozent) und über die wichtigsten politischen Debatten informieren (64 Prozent). Sie schätzen an den »Blättern« insbesondere die fundierte Sachkenntnis der Artikel (82 Prozent), die ausführlichen Debatten (62 Prozent), dass die »Blätter« aktuell sind (60 Prozent) und Themenvielfalt bieten (58 Prozent). Aus diesen Zahlen wird deutlich, dass Ihnen eine kritische und faktenstarke Analyse der gegenwärtigen Entwicklungen in der Welt am Herzen liegt. 

Wobei die Frage, zu welchen Themen Sie häufiger Texte lesen möchten, noch einen zweiten Aspekt deutlich macht. Sie haben genannt: Alternativen und Utopien (46 Prozent), Geopolitik (41 Prozent), soziale Bewegungen sowie Finanzpolitik (je 35 Prozent), gefolgt von KI und Digitalisierung (34 Prozent). Neben die Aufklärung über Fehlentwicklungen und Bedrohungen sollte also die Suche nach Perspektiven – oder sagen wir ruhig: nach Gründen zur Hoffnung – treten. Diese zu finden, ohne in Selbstbetrug oder Augenwischerei zu verfallen, ist in diesen Zeiten nicht einfach. Aber wir nehmen Ihren Auftrag ernst und werden uns bemühen, in Zukunft verstärkt über politische Alternativen und Hoffnungsanker zu berichten.

Was wir auch mitnehmen: Sie schätzen Pluralismus und Kontroverse. Dementsprechend unterschiedlich fallen Ihre Einschätzungen aus, welche Positionen in den »Blättern« stärker vorkommen sollten: Manche wünschen sich mehr linke Gesellschaftskritik, andere fordern mehr konservative Sichtweisen. Diese Diversität unserer Leserschaft sehen wir als Stärke.

Das neue Design kommt bei Ihnen überwiegend gut an, allerdings etwas weniger, je älter Sie sind. Insgesamt bewerten 38 Prozent den Relaunch als sehr gut und 44 Prozent als gut – das sind erfreuliche Zahlen, die noch einmal die vielen positiven Rückmeldungen von Autor:innen wie Leser:innen untermauern, die wir in den vergangenen Monaten erhalten haben.

Ein Altersunterschied zeigt sich auch beim Podcast: Während ihn 73 Prozent der 20-29-jährigen unter Ihnen kennen, sinkt dieser Wert bei den 70-79jährigen auf 15 Prozent und bei den über 80-jährigen auf elf Prozent. Diejenigen unter Ihnen, die den Podcast hören, finden seine Länge überwiegend genau richtig (66 Prozent) und hören ihn oft, um Informationen zu bekommen, die über den Text hinausgehen (48 Prozent). 

Unsere App bewerten 63 Prozent als gut oder sehr gut, ein Drittel sieht hier aber auch Verbesserungsbedarf. Auch bemängeln gerade die älteren unter Ihnen, dass es keine eigenständige Vorlesefunktion auf der »Blätter«-Website gibt. 

Das größte Problem bleibt für viele von Ihnen aber: mangelnde Zeit, um alles zu lesen, was Sie an einem Heft interessiert. Das haben uns insbesondere unsere Leserinnen und Leser mittleren Alters geschrieben. Nun, was sollen wir sagen: Das kennen wir! Umso mehr freuen wir uns, wenn Sie uns trotzdem treu bleiben. Ein weiterer wichtiger Hinweis betrifft die Sprache: Manche von Ihnen finden die Lektüre sprachlich zu voraussetzungsreich oder weisen darauf hin, das gehobene Niveau erschwere die Weitergabe von Texten an potenzielle nicht-akademische Leser:innen. Das bestätigt uns in unserem Anspruch, komplexe Themen und Texte für Sie weiterhin so lesefreundlich und verständlich wie möglich aufzubereiten.

Mit all Ihren Antworten haben Sie uns pünktlich zum 70. Jubiläum unserer Zeitschrift motiviert, weiter unermüdlich die Weltlage zu analysieren – uns aber auch wichtige Anregungen für Verbesserungen gegeben. Vielen Dank noch einmal dafür!

Am 3. Oktober feiern wir den »Blätter«-Geburtstag im Berliner Festsaal Kreuzberg. Zu Beginn werden dort unsere neuen Mitherausgeber:innen Nicole Deitelhoff, Oliver Nachtwey, Steffen Mau und Christina Morina die Lage nach den jüngsten Landtagswahlen und vor den Midterms in den USA analysieren, moderiert von der Journalistin Tamara Tischendorf. Unser Mitherausgeber Rudolf Hickel und unsere Autorin Annette Dittert werden zuvor auf die »Blätter«-Geschichte blicken. Alle von Ihnen, die an diesem Tag nicht kommen können, dürfen sich auf eine Nachlese in der November-Ausgabe der »Blätter« freuen.

In diesem Sinne: Kommen Sie gut durch den Herbst und bleiben Sie uns gewogen! Und sollten Sie schon für Weihnachten planen, denken Sie doch gern über ein Geschenk-Abo der »Blätter« nach, das würde uns sehr freuen.

Ihre »Blätter«-Redaktion