Dokumente zum Zeitgeschehen

»Frauen tragen nach wie vor ein deutlich höheres Niedriglohnrisiko als Männer«

Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, 26.2.2020

Der vorliegende Report, der auf dem WSI-Gender-Daten-Portal basiert, stellt den Stand der Gleichstellung zwischen Frauen und Männern in den sechs Bereichen Bildung, Erwerbsarbeit, Einkommen, Zeit, Sorgearbeit und Mitbestimmung dar. Die Auswahl dieser Bereiche orientiert sich an Pascall und Lewis (2004) und ihrer Analyse zu europäischen Genderregimen, anhand derer die Autorinnen fünf zentrale Bereiche der Gleichstellungspolitik identifizieren: Erwerbsarbeit (paid work), Einkommen (income), Zeit (time), Sorgearbeit (care) und Mitbestimmung (voice).

Besonders stark ausgeprägt ist die berufliche Segregation entlang der Geschlechtergrenze: Männer stellen in der Hälfte der Berufssegmente die übergroße Mehrheit. Diese starke Trennung der Geschlechter wirkt sich auch auf die Arbeitsbedingungen aus, denen Frauen und Männer im Erwerbsleben ausgesetzt sind: Männer sind immer noch stärker von „klassischen“ Arbeitsbelastungen wie körperlich schwerer Arbeit und Lärm betroffen,während Frauen häufiger anderen Belastungsformen wie Zeitdruck und häufigen Arbeitsunterbrechungen ausgesetzt sind.

Die Ergebnisse deuten auf positive Entwicklungen hin, wenngleich die Veränderungen sehr langsam vonstatten gehen: Der Gender Pay Gap ist in den letzten Jahren leicht zurückgegangen, liegt aber immer noch bei 21 Prozent (und damit deutlich über dem europäischen Durchschnitt). Vollzeitbeschäftigte Frauen tragen nach wie vor ein deutlich höheres Niedriglohnrisiko als vollzeitbeschäftigte Männer. Frauen, die nicht erwerbstätig sind oder nur eine geringfügige Beschäftigung ausüben, sind viel häufiger als Männer auf die Unterstützung von Angehörigen angewiesen und sehr viel seltener durch staatliche Transferleistungen abgesichert. Über das gesamte Erwerbsleben hinweg kumulieren sich die Effekte und tragen zu dem hohen Gender Pension Gap bei, der im Jahr 2015 – trotz einer deutlichen Abnahme seit 1991 – bei 53 Prozent lag.

Die vollständige Studie finden Sie hier.