Ausgabe Mai 1990

Kein Tag in diesem Land war umsonst

Was wird von der DDR bleiben... Wahrscheinlich wäre es leichter, die Frage zu beantworten: Was wird nicht bleiben?! - Von der DDR werden 44 Jahre deutscher Geschichte bleiben, die eine Geschichte permanenter Unterdrückung und wachsender Opposition gewesen ist; die wieder einmal eine Geschichte von Anpassung und Duckmäuserei und der Machtübernahme durch eine Gruppe gewesen ist.

Diese deutsche Geschichte ist im Grunde genommen eine Wiederholung von gesellschaftlichen Prozessen, wie es sie in Deutschland auch schon vorher gegeben hat. Aber ich denke dennoch nicht - und würde mich auch dagegen wehren, daß man es so sagt: dies sei „typisch deutsch". Ich glaube an dieses „typisch Deutsche" noch immer nicht. Ich meine allerdings, diese Geschichte hängt damit zusammen, daß die Deutschen immer nur mißglückte Revolutionen gehabt haben. Auch die Revolution vom vergangenen Herbst ist mißglückt. Ich selbst gebrauche eigentlich das Wort „Revolution" in diesem Zusammenhang gar nicht, sondern ich sage „Umbruch".

Es hat sich viel verändert. Wir haben es geschafft, das SED-Regime und den ganzen Mechanismus, der damit verquickt war, zumindest in Ansätzen aufzulösen. Diese Arbeit ist noch lange nicht beendet. Aber wir haben es wieder nicht geschafft, etwas wirklich Neues zu beginnen.

Mai 1990

Sie haben etwa 40% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 60% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo