Ausgabe Dezember 1993

Überlegungen zum Staat als Vereinigung einer Menge von Menschen unter Rechtgesetzen

In memoriam Fritz Bauer

Fritz Bauer (1903-1968) wurde als Jude und Sozialist von den Nationalsozialisten verfolgt. Bereits 1933 wurde er aus dem Justizdienst entlassen und in ein Konzentrationslager eingeliefert. Nach seiner Freilassung im Jahre 1936 emigrierte er nach Dänemark; dort wurde er nach dem Einmarsch der deutschen Truppen wiederum verhaftet; es gelang ihm jedoch die Flucht nach Schweden, wo er sich wissenschaftlich betätigte. 1949 kehrte Bauer nach Deutschland zurück. Er war zunächst Landgerichtsdirektor und ab 1950 Generalstaatsanwalt in Braunschweig. 1956 wurde er Hessischer Generalstaatsanwalt. Er wurde bekannt für sein Eintreten für Reformen des Strafrechts und für einen humanen Strafvollzug. Auf Fritz Bauers Initiative ist es zurückzuführen, daß am 20. Dezember 1963 in Frankfurt am Main das Verfahren „gegen Mulka und andere" eröffnet wurde, das als Auschwitz-Prozeß in der Öffentlichkeit das volle Ausmaß nationalsozialistischer Gewalt- und Vernichtungspolitik bewußt werden ließ. Am 15. November 1993 fand im Oberlandesgericht in Frankfurt am Main eine Feier zum Gedenken an Fritz Bauer statt; in diesem Rahmen hielt die Frankfurter Staatsrechtlehn Ilse Staff das nachfolgende Referat, das sie uns freundlicherweise zum Abdruck zur Verfügung stellte. D. Red.

Ich beginne meine Ausführungen mit einer Erinnerung.

Dezember 1993

Sie haben etwa 32% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 68% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo