Ausgabe Januar 2000

Holzmann zum Beispiel: Das einträgliche Versagen der Banken

Nach den politischen Debakeln des ersten Kanzlerjahres kam die tiefe Krise des wichtigsten deutschen Baukonzerns gerade recht, um das Image Gerhard Schröders durch einen polit-ökonomischen Husarenritt aufzupolieren. Mit 250 Mio. Mark aus der Staatskasse schlug der flugs nach Frankfurt am Main eilende Bundeskanzler den Widerstand der zögernden Banken nieder. Keine gigantische Summe, welche die Bundesregierung bereit ist zu geben, zumal sie als Kredit und Bürgschaft noch nicht rettungslos verloren scheint. Trotzdem wirft die vorerst abgewendete Pleite des globalisierten Bauriesen Holzmann AG viele grundsätzliche Fragen auf.

In der Folge solcher Hauruck-Aktionen dürfen sich hierzulande die Großen aller Branchen eigentlich in Sicherheit wiegen. Solche wohlige Geborgenheit passt wunderbar in die – allen Sonntagsreden zum Trotz – wettbewerbsfeindliche wirtschaftliche Landschaft. Die Großen hängen im Netz der „Deutschland AG“, zum Schaden der Kleineren und der Beschäftigten sowie zum Schaden der Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes insgesamt. Der Fall Holzmann wirft auch die Frage nach dem Kern der Deutschland AG auf und damit nach der (Ohn-)Macht der Banken.

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo