Ausgabe November 2003

Osttimors Wahrheitskommission

Wie kann das erste „neue“ Land des Milleniums, Osttimor, nach jahrhundertelanger portugiesischer Kolonialherrschaft und jahrzehntelanger indonesischer Okkupation, der fast ein Drittel der Bevölkerung zum Opfer fiel, zu Frieden, Demokratie und nachhaltiger Entwicklung finden? Osttimor erhielt am 20. Mai 2002 nach zweieinhalbjähriger Verwaltung durch die Vereinten Nationen (UN) seine Unabhängigkeit. Deren Preis war hoch: Kaum ein Bewohner der Terra de Sol Nascente ist ohne Trauma, ohne Opfer in der eigenen Familie. Allein nach dem Unabhängigkeitsvotum töteten im Black September 1999 indonesische Militärs und ihre osttimoresischen Milizen mehr als tausend Menschen und vernichteten 80 % der Infrastruktur. Das ärmste Land Asiens versucht auf verschiedene Weise dieses erdrückende Erbe zu bewältigen.

Auf drei voneinander unabhängigen Pfeilern beruht die Aufarbeitung der Menschenrechtsverbrechen: Ad-Hoc Prozessen in Indonesien, Special Panels for Serious Crimes und der ersten asiatischen Wahrheitskommission, der Comissão de Alcolhimento, Verdade e Reconciliação (CAVR)in Osttimor. Die strafrechtliche Aufarbeitung beschränkt sich bei beiden Tribunalen auf das Jahr 1999. Lediglich die CAVR besitzt ein Mandat für den gesamten Zeitraum des politischen Konflikts – vom Tag der portugiesischen Nelkenrevolution (25.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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