Obschon die militärischen Interventionen in Bosnien, in Afghanistan und im Irak nicht verglichen werden können, was ihre völkerrechtliche Legitimation und ihre Trägerschaft anbelangt, verbindet sie eine Gemeinsamkeit: Die Bedingungen des zivilen Wiederaufbaues waren und sind weitgehend durch die Vereinigten Staaten geprägt oder sogar durch sie allein konzipiert worden. Zwar wurden für Bosnien auch europäische Staaten in die Verhandlungen einbezogen, weil für den militärischen Einsatz eine Einigung mit den NATO-Partnern getroffen werden musste, der auch den nicht-militärischen Bereich umfasste. Dennoch geht das Aufbaumodell stark von US-amerikanischen Prämissen aus, was auch auf den US-Konferenzort in Dayton/Ohio zurückzuführen ist[1]. Für Afghanistan und den Irak erfanden die USA später das Konzept einer „Koalition der Willigen“, so dass auch für den nicht-militärischen Bereich der Weg des Krisenmanagements ohne im Detail ausformulierte internationale Grundlage beschritten wurde. Gemeinsam ist den drei Interventionen im weiteren, dass sich der zivile Wiederaufbau dem militärischen Einsatz unterordnete, ein für die Vereinigten Staaten völlig selbstverständliches Vorgehen: Schon in Dayton – und um so deutlicher in Afghanistan und im Irak – wurde auch der nicht-militärische Bereich maßgeblich durch das Pentagon konzipiert[2].
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.