Ausgabe Juli 2004

Günter Gaus

Er war stolz darauf, zu den Jahrgängen zu gehören, die zwischen 1927 und 1934 geboren sind. Das sind die so genannten "Weißen Jahrgänge". Sie lebten in einer Zeitgeschichte mit extremen Kontrasten. Bitteren und auch glücklichen. Günter Gaus war der Ansicht, dass die Erfahrung dieser Generation, eine des "alten Europa", so nicht wiederkehren wird.

1929 geboren, das heißt bei der Gründung unserer Republik ist er ein junger Mann. 1979, im Jahr des Deutschen Herbstes, ist er "ein Mann von 50 Jahren". Schon vorher, 1965, hat er geheiratet. Ein Leben in einer vorwärtsdrängenden Zeitgeschichte. Günter Gaus war immer neugierig und ihn faszinierte stets die Geschichte.

Er hat sehr verschiedene, tief greifende Wurzeln. In der Umgebung Braunschweigs, der Stadt, in der Günter Gaus geboren wurde, lebte ein älterer Geist, bekannt für seine Neigung zum Spott: Till Eulenspiegel. Das ist eine Wurzel, die bis zu den Bauernkriegen zurück reicht. Das Land, zu dem Braunschweig gehört, war ein Königreich, das dem preußischen Großmachtstreben unterlag. Lebenslänglich fühlte sich Günter Gaus als ein Patriot auch dieses untergegangen Landes. Zugleich steckte in ihm viel von den preußischen Reformern nach 1807, die nach den Befreiungskriegen in der Minderheit blieben. Aus solchen verschiedenartigen Impulsen ist ein Mann zusammen gesetzt, der die Erfahrung von 300 Jahren seines Landes in seinem Herzen trägt und mit der Aktualität verbindet.

Sie haben etwa 28% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 72% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo