Ausgabe Juli 2004

Schultze büxt aus

Schultze Gets the Blues - so recht weiß man bei dem Erstlingsfilm von Michael Schorr nicht, was denn genau Schultze da "kriegt", eine Musikerkarriere jedenfalls nicht, auch wenn der Titel und der erste Teil der Handlung es nahe legen. Schultze ist Bergmann und wird wegen Stilllegung der Kali-Förderung in Sachsen- Anhalt vorzeitig in den Ruhestand geschickt, was für ihn und seine Kollegen erst mal den Verlust ihres Lebensrhythmus bedeutet. Schultze ist alleinstehend, seine Mutter im Altersheim erkennt ihn schon nicht mehr und so bleiben lediglich Kneipe, Schrebergarten und der Volksmusikverein als Angelpunkte eines Lebens, das nur noch Warten auf den Tod zu bedeuten scheint.

Da erwacht in Schultze eine unbestimmte, neue Sehnsucht, die er zunächst für eine Krankheit hält: Im Radio stößt er zufällig auf ein Musikstück aus ferner Folklore, Cajun-Musik, und gleich versucht er, sie mit seinem Akkordeon nachzuspielen. Je mehr ihm das gelingt, umso weniger stößt er damit auf Verständnis bei seinen Vereinskollegen. Aber da wissen wir Zuschauer schon, worauf es hinauslaufen wird. Denn die sächsische Musikgruppe hat eine Einladung aus "Amerika" erhalten, einen Vertreter auf ein texanisches Folk-Festival zu schicken. Seine Kameraden nominieren ihn, und schon landet er mit seinem Akkordeon in Texas, wo das Schicksal seinen Lauf nehmen soll: Hier wird man ihn anerkennen, und vielleicht bringt Schultze bei der Rückkehr seine erste Single mit.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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