Ausgabe August 2004

Promi-Promo

Die Geschichte von dem Bauern oder Handwerker, der plötzlich für kurze Zeit zum König oder Millionär wird, haben viele alte Fabeln oder neue Filme immer wieder erzählt. Der in die "höheren Kreise" versetzte Protagonist erlebt dort Korruption und Bigotterie, gerät in ausweglose Situationen, aus denen er nur mit Hilfe eines "guten" Fürsten oder Kapitalisten herauskommt, und zieht sich dann wieder in sein Milieu zurück mit der Erkenntnis, dass Geld nicht glücklich macht, dass Bescheidenheit eine Zier und das Sich-Abfinden mit den Standesgrenzen die wahre Lebenserfüllung ist. Umgekehrt machte es Harun al Raschid, der legendäre Kalif, wenn er sich inkognito unters Volk mischte und feststellen musste, dass die niedrigen Leute besser waren als ihr Ruf. So sehr sie das Lied des kleinen Mannes sangen - solche Märchen hatten selten die Verbesserung der Lage der armen Leute im Sinn, eher die Legitimation der Klassengesellschaft.

Das Thema ist, in abgewandelter Form, jetzt Gegenstand eines neuen Trends im Fernsehen. Eine rapide gesellschaftliche Desintegration und der Zerfall der "sozialen Netze" haben sich anscheinend bereits in neuen Formen der Spiel- und Dokumentar- Serie niedergeschlagen, die jetzt nicht mehr die familiäre und gesellschaftliche Harmonie feiern, sondern die Handlungen ihrer Figuren aus Neidgefühlen und Konkurrenzdenken ableiten, die damit als zunehmend normal erscheinen.

Sie haben etwa 31% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 69% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo