Ausgabe November 2005

Stimmt die Chemie?

Die Reform des Europäischen Chemikalienrechts (REACH) befindet sich derzeit in der heißen Phase. Mitte November entscheidet das Plenum des Europäischen Parlaments über das wohl wichtigste Umweltvorhaben der Europäischen Union in dieser Legislaturperiode. Die Politik steht dabei vor einer klaren Alternative: Entscheidet man zu Gunsten der langfristigen Sicherung von Gesundheit und Umwelt oder kurzfristiger finanzieller Interessen der chemischen Industrie?

Die Bedeutung der Entscheidung liegt auf der Hand: Chemikalien sind in allen Gegenständen, die wir täglich nutzen – in Matratzen, Textilien, Zahnpasta, Möbeln, Kinderspielsachen, Computer, Tapeten, Farben, Teppichböden, Autos etc. – enthalten. Von 1930 bis heute stieg die weltweite Chemikalienproduktion von einer auf 500 Mio. Tonnen jährlich – mit enormen Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt. Die Weltbank schätzt, dass Agrarchemikalien und Chemikalien aus diffusen Quellen etwa 0,6 bis 2,5 Prozent aller Allergien, Haut-, Krebs- und Asthmaerkrankungen verursachen. Inzwischen sterben mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch schleichende Chemikalienvergiftung als durch Arbeitsunfälle. Im Gewebe eines jeden Menschen lassen sich heute bis zu 300 synthetische Substanzen nachweisen. Viele dieser Stoffe reichern sich im menschlichen Körper an; selbst bei bewusster Lebensweise können sich Menschen kaum vor Chemikalien schützen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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