Ausgabe September 2006

Hamburger Zeit-Geist

Journalismus ist ein Kellnerberuf: Was in der Welt geschieht, wird Lesern, Hörern und Zuschauern möglichst genießbar serviert. Die Bedeutung dieser Tätigkeit lässt sich kaum überschätzen. Von der Seriosität und Qualität journalistischer Arbeit hängt ab, was die Menschen von den Vorgängen in ihrer Stadt, ihrem Land und dem Rest der Welt wissen. Von ihrem Wissen hängt ab, was sie beurteilen können, und vom Urteilsvermögen der Staatsbürger hängt ab, ob eine Demokratie funktioniert.

Zu allen Zeiten hat es Journalisten gegeben, denen es nicht genug war, Medium zu sein: Nur weiterzugeben, was sich ereignet, nur zu erklären, was passiert ist, nur zu berichten, worüber sich die Verantwortlichen Gedanken machen. Sie möchten selbst ein Stück Verantwortung übernehmen, wollen sich eigene Gedanken machen und ihre Auffassungen zur Geltung bringen.

Es gibt daher zwei Arten von Journalisten. Die einen wollen nur vermitteln, die anderen wollen auch wirken. Die einen bemühen sich, ihre Vermittlungsarbeit einfühlsam, einfallsreich und möglichst eingängig zu leisten. Die Frage, wie bringe ich etwas am besten an den Mann oder an die Frau, beschäftigt viele kluge Köpfe; sie wird umso dringlicher, je schärfer die Konkurrenz wird. Sie wird für viele zur Existenzfrage; wenn die Auflagen sinken, droht der Zeitungstod.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

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