Ausgabe März 2007

Die Ausweitung der Konsumzone

Nichts ist derzeit angesagter als das „Zweite Leben“. In den vergangenen Wochen schien es keine Zeitung zu geben, die nicht begeistert über die neue virtuelle Welt berichtet hätte. Im Zuge der aktuellen Diskussion über Web 2.0, das sogenannte soziale Internet, scheint das Browserspiel „Second Life“ nach You Tube und MySpace zielsicher den Nerv der Zeit zu treffen.

Das Interesse der Medien richtet sich dabei vornehmlich auf die unzähligen Angebote, die Second Life seinen Besuchern eröffnet. Parties, Sonnenbaden, virtuellen Extremsport, Shopping und natürlich den unvermeidlichen Cybersex zwischen den „Avataren“, jenen virtuellen Wiedergängern der menschlichen Besucher – es scheint, als gebe es im digitalen Paralleluniversum nichts, was es nicht gibt.

Tatsächlich wird bei Second-Life die real existierende Distanz zwischen zwei Nutzern, etwa in Tokio und Toronto, aufgehoben und virtuelle Face-toface- Kommunikation und Interaktion ermöglicht. Dass die Grafik von einer fotorealistischen Darstellung noch weit entfernt ist, weshalb vieles im „Zweiten Leben“ bisher nicht über den Status schlechter Simulation und steriler Animation hinauskommt, steht auf einem anderen Blatt – und den kühnen Phantasien der Medienmacher offenbar nicht im Wege.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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