Ausgabe März 2007

Die Ausweitung der Konsumzone

Nichts ist derzeit angesagter als das „Zweite Leben“. In den vergangenen Wochen schien es keine Zeitung zu geben, die nicht begeistert über die neue virtuelle Welt berichtet hätte. Im Zuge der aktuellen Diskussion über Web 2.0, das sogenannte soziale Internet, scheint das Browserspiel „Second Life“ nach You Tube und MySpace zielsicher den Nerv der Zeit zu treffen.

Das Interesse der Medien richtet sich dabei vornehmlich auf die unzähligen Angebote, die Second Life seinen Besuchern eröffnet. Parties, Sonnenbaden, virtuellen Extremsport, Shopping und natürlich den unvermeidlichen Cybersex zwischen den „Avataren“, jenen virtuellen Wiedergängern der menschlichen Besucher – es scheint, als gebe es im digitalen Paralleluniversum nichts, was es nicht gibt.

Tatsächlich wird bei Second-Life die real existierende Distanz zwischen zwei Nutzern, etwa in Tokio und Toronto, aufgehoben und virtuelle Face-toface- Kommunikation und Interaktion ermöglicht. Dass die Grafik von einer fotorealistischen Darstellung noch weit entfernt ist, weshalb vieles im „Zweiten Leben“ bisher nicht über den Status schlechter Simulation und steriler Animation hinauskommt, steht auf einem anderen Blatt – und den kühnen Phantasien der Medienmacher offenbar nicht im Wege.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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