Ausgabe April 2007

Das Wort zum Freitag

Auch für das deutsche Fernsehen gilt: Im Anfang war das Wort. Immerhin darf das „Wort zum Sonntag“ beanspruchen, gleich nach der „Tagesschau“ die zweitälteste Sendung des deutschen Fernsehens zu sein. Seit 1954 ging das von den ARD-Anstalten produzierte Format bereits mehr als 2800 Mal am Samstag-Abend auf Sendung, obwohl es selten mehr als zwei Millionen Zuschauer erreicht. Aber schließlich geht es ja nicht um Marktanteile, sondern um Botschaften.

Dabei dürfte ein nicht geringer Anteil der Zuschauer die fünf Minuten zwischen Wettervorhersage und Spätfilm vor allem als lästige Werbeunterbrechung der Kirchen begreifen – und entweder träge den Ton abdrehen oder schnell noch einmal das Klo aufsuchen. Für den nach Unterhaltung suchenden Durchschnittszuschauer verkommt der medial eher unambitionierte Versuch christlichen Innehaltens („Hörfunk mit Passbild“) vor allem zur christlichen Sendestörung.

Um so erstaunlicher ist es, dass um das bisher wenig beachtete Format nun ein veritabler religionsübergreifender Streit ausgebrochen ist. Ausgelöst wurde dieser mit der Mitteilung des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender, dass das Zweite ab Mai 2007 ein „Wort zum Freitag“ für Muslime – selbstredend in deutscher Sprache – in das Angebot des Senders aufnehmen werde.

Sie haben etwa 29% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 71% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Dezember 2025

In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

Zur Ausgabe Probeabo