Ausgabe Mai 2007

Bellizismus als Solidarität?

Ohne Zweifel ist Micha Brumlik eine viel beachtete und gewichtige Stimme in der deutschen Debatte um das Verhältnis zur israelischen Politik. Mancher mag sich sogar etwas ängstlich gehemmt fühlen, in die Diskussion mit ihm einzutreten, denn es kann geschehen, dass Professor Brumlik Teilnehmer mit strengem Gestus des Debattenfeldes verweist, wie auch in seinem Beitrag in der Aprilausgabe der „Blätter“ geschehen: Da haben sich doch nach seinem unbestechlichen Urteil einige „aus jedem konstruktiven Diskurs hinauskatapultiert“. Ein Protagonist wird sogar (vielleicht wie ein „nützlicher Idiot“?) von „Teilen der Friedensbewegung als Redner durchs Land gereicht“, möglicherweise von genau denen, die Micha Brumlik ja bereits anlässlich des Golfkriegs 1991 als „Antisemiten im Friedenspelz“ ausgemacht hatte. – Trotz solcher Gefahren will ich hier einige Widersprüchlichkeiten benennen, die mir im Brumlikschen Beitrag auffielen.

Erstens: Wer ist kritikberechtigt? Zwar ist es „in der globalisierten Welt das selbstverständliche Recht, vielleicht sogar die Pflicht eines jeden Menschen […], gegen Menschenrechtsverletzungen allüberall einzutreten. […] Das Gewicht, nicht die Berechtigung von Kritik aber ist allemal an die Bereitschaft von Verantwortung gebunden – eine Verantwortung, die der universalistische Grosser völlig zu Recht […] in Europa, nicht aber für Israel wahrnehmen kann.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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