Ausgabe August 2007

Die Kopfabmaschine

Henryk M. Broder ist letztes Jahr sechzig geworden. Damit sein nunmehr ehrwürdiges Alter bemerkt und womöglich ausgezeichnet werde, schrieb er das Buch „Hurra, wir kapitulieren“ mit der imperativen Widmung „Für mich, zum Sechzigsten.“

Für Helmut Markwort, den „Focus“-Chef, kein Problem. Denn diesmal durfte der Angestellte von Hubert Burda, Börnestiftungsvorstandsmitglied neben Springer-Chef Mathias Döpfner und anderen, ganz allein, wie das beim Börne-Preis der Brauch ist, den Preisträger aussuchen, Broder eben.

Und Broder hat den Börne-Preis dieser Herkunft in der Tat verdient. Broder ist ein Bekenner, ein ideologischer Exhibitionist voll Leidenschaft. Er verehrt George W. Bush, trat schon immer für dessen Krieg gegen den Irak ein, sein Handy klingelt mit der US-Hymne, und jüngst trat er im Arte- Kulturmagazin Metropolis mit einer mächtigen US-Fahne auf dem Hemd über seinem nicht weniger ansehnlichen Bauch zum Interview an.

Sein Kampf gegen den Terrorismus ist ebenso schlicht. Wie Bush hat er es längst aufgegeben, allein gegen die Terroristen von Al Qaida zu kämpfen. Er kämpft gegen – wörtlich – „1,5 Milliarden Moslems in aller Welt, die chronisch zum Beleidigtsein und unvorhersehbaren Reaktionen neigen“. Er kämpft gegen die Ausländer, die sich in Deutschland breitgemacht haben. Gegen den „Migrationshintergrund“.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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