Ausgabe Mai 2008

Kommissbrot mit Nutella

„Der rote Baron“, die Titelfigur des neuesten deutschen Erbauungsfilms, war einmal eine Soldatenlegende und soll es offenbar wieder werden: ein Jüngling, der schon mangels Reife nicht schuldig werden kann.

Aber da gibt es zwei kleine Probleme: Einmal war Manfred von Richthofen, wie man inzwischen weiß, kein fairer Sportler der feinen englischen Art, sondern ein berechnender Killer; und zum anderen „dürfen wir Deutschen ja keine Helden mehr haben, weil wir schuld an zwei Weltkriegen sind“, beklagt sich der Richthofen-Darsteller und Produzent des Films, Matthias Schweighöfer. Deswegen habe er keine Fördergelder für seinen Film erhalten und ihn selbst produzieren müssen. Dieser neueste deutsche Jungfilmer plant seine Karriere wie der junge Flieger die seine: nonchalant und naiv, aber unbeirrbar. Richthofen wird zwei Mal abgeschossen, die Kamera ist nicht dabei. Und das Fliegen ist wie das Filmemachen: ein Schwimmen auf der Oberfläche, um so besser, wenn einen gerade eine patriotische Welle vorantreibt. Und selbst wenn der Film ein Flop werde, sagt er: „Ich muss das einfach machen.“

Die Konstruktion des Helden folgt uralten Rezepten und produziert, ungeachtet jeglicher Historie, einen neuen Heldentyp: Schon zu Lebzeiten wird er im Film wie ein Mythos verehrt, weshalb er sich unangepasst, lässig geben kann: „Wir sind Sportler, Kinder“, sagt er, und hat vor allem mit letzterem Recht. Curd Jürgens ist Lichtjahre entfernt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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