Ausgabe Oktober 2010

Kurzgefasst

Lamya Kaddor: Muslima in Sarrazinland

Thilo Sarrazins provozierende Thesen zur geringen Intelligenz und mangelnden Integration muslimischer Einwanderer haben ein gewaltiges ge-sellschaftliches Echo hervorgerufen. Die Islamwissenschaftlerin und Religionspädagogin Lamya Kaddor kritisiert die massive Stereotypisierung des Islam und der Muslime durch Sarrazin und andere selbst ernannte Islamkritiker. Sie fordert, endlich die pauschale Rede über „die Muslime“ zu beenden und stattdessen eine differenzierte Sicht des Lebens deutscher Muslime zu entwickeln.

 

Oliver Schmidtke: Einwanderer als Ware. Wie die Marktlogik Migranten aussortiert

Im dominanten und (vermeintlich) progressiven Verständnis wird Einwanderung vor allem unter dem Gesichtspunkt ihrer Nützlichkeit für die Aufnahmegesellschaft interpretiert. Das aber hat gesellschaftliche Folgekosten. Oliver Schmidtke, Professor für Politikwissenschaft an der University of Victoria in Kanada, zeigt am kanadischen und bundesdeutschen Beispiel, wie eine ökonomisch legitimierte Migrationspolitik zur Grundlage sozialer Exklusion und populistischer Ressentiments werden kann.

 

Otto Köhler: Der Amoklauf der Erika Steinbach.

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Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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