Ausgabe März 2012

Kurzgefasst

Eberhard Rondholz: Terror und Tourismus. Zum Verhältnis von Griechen und Deutschen

Derweil die Regierungschefs in Brüssel das neueste Rettungspaket für Griechenland verabschieden, trüben sich die Stimmungen zwischen Griechen und Deutschen immer weiter ein. Der Historiker Eberhard Rondholz rollt die deutsch-griechischen Beziehungen auf, die sich stets zwischen übersteigerter Erwartung und heilloser Enttäuschung bewegten. Er warnt vor einem Wiedererstarken alter Ressentiments im Zuge der europäischen Schuldenkrise.

Andreas Nölke: Rettet Europa! Ohne den Euro?

Griechenland wird „gerettet“, zum zweiten Mal. Doch die Stimmen derer, die die wirkliche Rettung im Austritt des Landes aus der Eurozone sehen, werden lauter. Andreas Nölke, Professor für Politische Ökonomie in Frankfurt a.M., verortet den Kern der Krise in der Gemeinschaftswährung: der Euro als Manifestation eines supranationalen, aber dysfunktionalen Europa. Wer Griechenland wirklich helfen will, muss es von oktroyierten Sparzwängen befreien und damit auch vom Euro.

Rudolf Hickel: Schöpferische Zerstörung. Warum Deutsche Bank & Co. zerschlagen werden müssen

Die jüngste Finanzmarktkrise ist kaum vorbei, da braut sich im Zuge der Euro-Krise schon der nächste Absturz zusammen. Dabei entpuppte sich die Bankenkrise als das Gravitationszentrum der Wirtschaftskrise. „Blätter“-Mitherausgeber Rudolf Hickel macht den Kern der Krise in den riesigen Spekulationsbanken aus. Too big to fail: Ohne ihre Zerschlagung werden sie weiter die Politik in Abhängigkeit halten.

Amerika nach Obama – und davor? Mit Beiträgen von Jonathan Turley und Norman Birnbaum

Der Präsidentschaftswahlkampf in den USA kommt in seine heiße Phase und Obamas Amtszeit nähert sich dem Ende – Zeit für eine Bilanz: Der Hoffnungs- und Friedensnobelpreisträger Obama wurde den selbstgesteckten Zielen nicht gerecht. Die Lage der Bürger- und Menschenrechte unterscheidet sich kaum mehr von Staaten, denen die USA das Label „Schurkenstaaten“ anheften, meint der Jurist Jonathan Turley. „Blätter“-Mitherausgeber Norman Birnbaum hingegen zeichnet das Bild eines gleichermaßen polarisierten wie entpolitisierten Amerikas im Vorwahlkampf. Will Obama wieder gewählt werden, muss er auf einen Ausbau des Sozialstaats im Geiste einer neuen transatlantischen Partnerschaft setzen.

Sebastian Pflugbeil: Tschernobyl in Permanenz. Ein Jahr Fukushima

Ein Jahr nach dem atomaren Super-GAU von Fukushima kann von wirksamen Konsequenzen aus der Katastrophe nicht die Rede sein. Stattdessen arbeiten die japanischen Politiker und Behörden daran, die Auswirkungen des Unfalls zu verschleiern und zu vertuschen. Der Physiker und Bürgerrechtler Sebastian Pflugbeil beleuchtet die Lage vor Ort und verweist auf die fatalen Kontinuitäten von Tschernobyl bis Fukushima. Er kommt zu einem erschreckenden Ergebnis: Auch Deutschland ist vor der Katastrophe nicht gefeit.

Guido Speckmann und Gerd Wiegel: Die Rechte von heute. Vom alten Faschismus zum neuen Sozialdarwinismus.

In ganz Europa knüpfen rechtsradikale Parteien an ihre faschistischen Vorgänger an. Dennoch stellt sich die Frage, ob Faschismus ein geeigneter Begriff ist, um gegenwärtige Erscheinungen adäquat zu beschreiben. Die Politikwissenschaftler Guido Speckmann und Gerd Wiegel analysieren die heterogene radikale Rechte in Europa. Ihr Fazit: In einer fundamentalen Krisensituation könnte ein modernisierter Faschismus wieder attraktiv werden, allerdings eher in Form des rassistisch grundierten Sozialdarwinismus.

Christian Füller: Geleugnete Schuld. Vom Stand und Stillstand der Missbrauchsdebatte

Vor genau zwei Jahren begannen Fälle sexueller Gewalt gegen Kinder an renommierten Internaten die Gesellschaft aufzurütteln. Die Politik unternahm daraufhin mit einem Runden Tisch erstmals den Versuch, die Situa tion der Betroffenen zu verbessern. Christian Füller, Bildungsredakteur der „tageszeitung“ und Buchautor, zeigt auf, dass der Prozess der gesellschaftlichen Selbstaufklärung immer noch von Leugnung und Tabuisierung geprägt ist. Dagegen gelte es, endlich die Ursachen sexueller Gewalt gegen Kinder aufzudecken und Konsequenzen zu ziehen.

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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