Ausgabe Oktober 2013

Kurzgefasst

Stephan Schulmeister: Euroabwicklung: Der finale Schritt in den Wirtschaftskrieg, S. 39-49

Obwohl die Europäische Union im Wahlkampf kaum eine Rolle spielte, kann von einer Beruhigung der Lage nicht die Rede sein. Stattdessen stehen bereits die nächsten Kreditanfragen aus Griechenland im Raum. Doch während etwa Wolfgang Streeck in den letzten „Blättern“ die gesamte Währungsunion in Frage stellt, hält der österreichische Ökonom Stephan Schulmeister die Euroabwicklung für einen katastrophalen Fehler. Sie würde Europa in einen Währungskrieg stürzen – und damit in eine globale Depression. 

 

Zygmunt Bauman im Gespräch mit David Lyon: Das Ende der Anonymität. Was Drohnen und Facebook verbindet, S. 51-62 

Spätestens seit den Enthüllungen Edward Snowdens wissen wir von der totalen Überwachung unserer digitalen Kommunikation. Dennoch blieb das große Aufbegehren dagegen bislang aus. Im Gespräch mit David Lyon analysiert der Soziologe Zygmunt Bauman die Digitalisierung des sozialen Lebens. Die größte Angst des Einzelnen ist ihm zufolge nicht die Ausforschung seines freiwillig offengelegten Privatlebens, sondern das Gegenteil – nämlich das Nichtgesehenwerden als Ausdruck digitaler Ausgrenzung. 

 

Andreas Fischer-Lescano: Das Recht auf Enthüllung. Warum wir Whistleblower brauchen, S. 63-70 

Whistleblowing, der gezielte Geheimnisverrat zum Zwecke des Gemeinwohls, ist rechtlich hoch umstritten. Andreas Fischer-Lescano, Staatsrechtler an der Universität Bremen, plädiert für eine erweiterte Rechtmäßigkeit derartigen Handelns. Denn andernfalls verwandle sich die herkömmliche juristische Abwägung in einen Anschlag auf die Menschenrechte. 

 

Hans Thie: Ökologische Gleichheit. Warum grün sein heute links sein bedeutet, S. 71-82 

Von einer Lösung der dramatischen Umweltprobleme ist die Politik nach wie vor meilenweit entfernt. Das zentrale Hindernis sieht Hans Thie, Wirtschaftsreferent der Linksfraktion im Bundestag, in einem verwässerten grünen Reformismus, der das Wirtschaftswachstum fortschreibt. Seine These: Nur wenn die ökologische Gleichheit aller zum Prinzip der Ökonomie wird, ist die ökologische Krise zu überwinden. 

 

Reinhard Loske: Vom Dagegen zum Dafür. Fallstricke und Chancen der Ökologiebewegung, S. 83-88 

Der „Marsch durch die Institutionen“ beförderte einst die Ökologiebewegung in die Parlamente. Reinhard Loske, Professor für Nachhaltigkeit und Transformationsdynamik, zeichnet nach, wie aus einer Bewegung der Engagierten eine Politik der Experten, wie aus einer abwehrenden eine gestaltende Kraft wurde. Doch trotz dieser Erfolgsgeschichte hat ein grundlegender gesellschaftlicher Bewusstseinswandel nicht stattgefunden: Noch immer begegnet die Politik partizipationswilligen Bürgern mit Misstrauen. 

 

Arno Klönne: Grassierende Gedächtnisschwächen. Das Meißnertreffen 1913 und die Geschichte der deutschen Jugendbewegung, S. 89-98 

Heute grassiert die Klage über eine angeblich unpolitische Jugend. Im Oktober 1913 dagegen trafen sich tausende engagierte junge Leute auf einem Bergmassiv im Nordhessischen – der Beginn der klassischen deutschen Jugendbewegung. Der Soziologieprofessor Arno Klönne beleuchtet deren Wirkungsgeschichte. Seine These: Das damalige Meißnertreffen legte den Grundstein für verschiedenste Strömungen der Jugendbewegung, rechte wie linke, und keineswegs nur der nationalistischen. 

 

Friederike Biron: Geistige Verwandtschaft: Jean Paul und Georg Büchner, S. 101-114 

Gleich zwei bedeutende deutsche Literaten feiern dieses Jahr Geburtstag: Georg Büchner und Jean Paul. Doch während der dichtende Revolutionär Büchner auf deutschen Bühnen schier omnipräsent ist, droht die Erinnerung an den großen Sprachschöpfer Paul schon wieder zu verblassen. Die Literaturwissenschaftlerin Friederike Biron zeichnet ihre Biographien nach und legt frei, was längst verschüttet war: die Verwandtschaft der beiden „Brüder im Geiste“. 

 

Gerhard Drekonja-Kornat: Literatur und Politik: Die brasilianische Melange, S. 115-120 

Brasilien ist nicht nur Austragungsort der Fußball-WM 2014 und der Sommer-Olympiade 2016, sondern auch Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Und derweil eine junge Protestbewegung in Brasilien für Furore sorgt, erlebt die Literaturszene des Landes schon seit Längerem eine Blütezeit. Gerhard Drekonja-Kornat, Publizist und Professor em. für außereuropäische Geschichte, beschreibt deren Entwicklung – als eine gelungene Integrationsgeschichte von Künstlern unterschiedlichster Herkunft.

 

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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