Ausgabe März 2020

Kurzgefasst

James K. Galbraith, Claus Leggewie, Paul M. Renfro: USA 2020: Wer schlägt Trump?, S. 45-65

Donald Trump ist auch im eigenen Land ein überaus umstrittener Präsident. Dennoch gilt ein Sieg der Demokraten bei der Wahl im November keineswegs als ausgemacht. Wer also wäre der richtige Kandidat? Und wie lautet die beste Strategie? Dem widmen sich der Ökonom James K. Galbraith, „Blätter“-Mitherausgeber Claus Leggewie und der Historiker Paul M. Renfro.

Christa Wichterich: Die neue feministische Welle: Brücken bauen, Kämpfe verbinden, S. 67-72

Die vierte Weltfrauenkonferenz von Peking gilt vielen Feministinnen als Sternstunde im Kampf für Geschlechtergerechtigkeit. Heute, 25 Jahre später, stellt ein aggressiver Anti-Feminismus rechtspopulistischer Prägung die Erfolge von damals massiv in Frage, so die Soziologin Christa Wichterich. Um den drohende Backlash aufzuhalten, müssen sich die weltweit auflebenden feministischen Kämpfe und Bewegungen vereinen.

Aleida Assmann: Erinnerung, Identität, Emotionen: Die Nation neu denken, S. 73-86

Wir befinden uns auf dem Weg in eine kosmopolitische Weltgesellschaft und Nationen können getrost vergessen werden – das war lange Zeit Konsens unter Modernisierungstheoretikern, aber auch unter linken Intellektuellen. Doch die Skepsis gegenüber der Nation ist angesichts eines erstarkenden Rechtspopulismus ein Versäumnis, mahnt die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann. Der erneuten Brutalisierung der Nation durch rechte und demokratiefeindliche Kräfte muss ein zivilisatorisches Projekt entgegengestellt werden.

Bill McKibben: Die Kraft der Sonne und das Gewicht der Stimme. Wie wir die Mächtigen in den Wahnsinn treiben können, S. 87-97

Die Hälfte der Tiere des Planeten sind bereits ausgestorben, und der Mensch entpuppt sich als zerstörerische Kraft. Dieser Entwicklung setzt Umweltaktivist und Publizist Bill McKibben zwei „Technologien“ entgegen, die transformatives Potential bergen: Solarenergie und Gewaltlosigkeit müssen den Kampf gegen mächtige Industrien antreten und den Komplex aus Gewalt, Macht und Geld durch Kreativität, Leidenschaft und Geist zerschlagen.

Maja Göpel: Unser Wunsch nach mehr, unsere Angst vor weniger. Wie unser Wohlstandsmodell den Planeten ruiniert, S. 98-106

Verzicht ist in Zeiten der Klimakrise unabdingbar. Doch noch lebt der globale Norden weit über seine Verhältnisse – und das obwohl Materialismus und immer mehr Konsum nicht glücklich machen, kritisiert die Politökonomin Maja Göpel. Ihr Plädoyer: Wir brauchen einen Politikwandel, der Wachstum nicht als Zweck begreift, sondern als Mittel hin zu mehr Nachhaltigkeit – beim Konsumieren, Produzieren und Investieren.

Jonas Gerding: Afrika in der Schuldenfalle? Das Blame Game der USA gegen China, S. 107-114

In den vergangenen Jahren ist China nicht nur zum größten Handelspartner der afrikanischen Länder aufgestiegen, sondern auch zu ihrem größten Investor. Vor allem US-amerikanische Beobachter warnen, Afrika könnte in die chinesische Schuldenfalle tappen – und so den geopolitischen Ambitionen Chinas ausgeliefert sein. Damit aber machen sie es sich zu einfach, hält der Journalist Jonas Gerding dagegen. Natürlich ist das chinesische Engagement auch geostrategisch motiviert. Das gilt aber ebenso für die amerikanischen Versuche, ihren globalen Bedeutungsverlust zu kaschieren.

Gerhard Drekonja-Kornat: Castros Erbe: Kubas kurzer Frühling, S. 115-120

Die Kubanische Revolution hat Krise um Krise überstanden, und noch immer scheint vielen die Vorstellung, dass sie einmal enden könnte, abwegig. Zuletzt hatte die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Washington und Havanna unter US-Präsident Barack Obama in Kuba zu einem politisch-gesellschaftlichen Frühling geführt, so der Historiker Gerhard Drekonja-Kornat. Doch die zaghafte Öffnung könnte nur von kurzer Dauer sein: Mit der Blockadepolitik der Trump-Administration verflüchtigt sich auch die Hoffnung auf eine neue Ära nach den Castro-Brüdern.

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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