Ausgabe Mai 2021

Kurzgefasst

Michael T. Klare: USA versus China: Stolpert die Welt in einen großen Krieg?, S. 50-56

Die Führungen Chinas und der USA sind sicherlich nicht darauf aus, Krieg gegeneinander zu führen. Allerdings beginnen Kriege, das lehrt die Geschichte, keineswegs immer nach Plan und zielgerichtet, mahnt der Politikwissenschaftler Michael T. Klare. Die Folgen des derzeitigen „Angsthasenspiels“ beider Regierungen könnten daher massiv sein – und zwar für die gesamte Welt.

Noah Smith: Bidenomics: Ein neues Paradigma für eine neue Zeit, S. 57-64

Lange galt Joe Biden als moderater Politik-Veteran, von dem kein grundlegender Wandel zu erwarten ist. Doch unter dem Eindruck der Coronakrise hat der neue US-Präsident eine markante Wende vollzogen: Seine Wirtschaftspolitik bricht mit der neoliberalen Tradition, so der Ökonom Noah Smith, indem sie auf öffentliche Investitionen, sozialstaatliche Leistungen und die Stärkung der Care Economy setzt. Biden begründet damit ein neues Paradigma, das lange prägend sein könnte: die Bidenomics.

Fabian Scheidler: Systemwandel oder Klimakollaps. Warum wir eine tiefgreifende Transformation unserer Ökonomie brauchen, S. 65-76

Die kapitalistische Megamaschine ist ein totales System: Verankert in Institutionen sowie in unseren Köpfen und menschlichen Beziehungen, droht sie an ihrer eigenen Expansion zu kollabieren, so der Autor Fabian Scheidler. Um dies zu verhindern, muss die herrschende Ordnung, die die Natur zum bloßen Objekt macht, durch ein System ersetzt werden, das die existenzielle Verbundenheit von Mensch und Umwelt bewahrt und schützt.

Katharina Pistor: Das Imperium des Rechts. Wie das Kapital zu seinen Gesetzen kommt, S. 77-88

Kapital und Kapitalismus sind nicht allein auf Transaktionen zwischen privaten Subjekten zurückzuführen, wie es die „die unsichtbare Hand“ von Adam Smith nahelegt, sondern zutiefst abhängig von rechtlichen Voraussetzungen. Die Juristin Katharina Pistor übt scharfe Kritik an der subtilen Kulisse des Rechts, vor welcher sich die globale Kapitalzirkulation abspielt, die obendrein zu einer enormen Vermögensungleichheit führt.

Jens Becker und Ina Kulić: Corona auf dem Balkan: Pekings Vormarsch, Brüssels Versagen, S. 91-96

Ganz Europa leidet unter der Coronapandemie, doch die post-jugoslawischen Staaten haben ganz besonders zu kämpfen – aufgrund schlecht ausgestatteter Gesundheitssysteme und geringer finanzieller Möglichkeiten. Die Sozialwissenschaftler Jens Becker und Ina Kulić analysieren, wie Corona ethnische Konflikte anheizt und zugleich China und Russland ihren politischen Einfluss in der Region vergrößern.

Rita Laura Segato: Corona oder: Die idiotische Leugnung des Todes, S. 97-104

Seit über einem Jahr wird die Menschheit von einer Pandemie heimgesucht, doch anders als bei früheren Seuchen ist unser Verhältnis zum Tod heute von einer eigentümlichen Distanz geprägt. Gerade darin aber zeigt sich, so die argentinische Anthropologin Rita Laura Segato, die unseren Zeitgeist bestimmende, idiotische Leugnung des Todes. Demgegenüber fordert Segato einen Prozess der Menschwerdung und eine neue Sensibilität für den lebendigen und zugleich endlichen Körper.

Doris Reisinger: Missbrauch mit System. Das Ringen um die Zukunft der katholischen Kirche, S. 105-111

Seit über zehn Jahren ist die sexualisierte Gewalt durch Angehörige des katholischen Klerus ein wiederkehrendes Thema in Medien, Justiz und Politik. Doch bis heute besteht die Antwort der Kirche in leeren Beteuerungen und der Herausgabe geschwärzter Akten. Die Theologin und Publizistin Doris Reisinger sieht im sogenannten sexuellen Missbrauch weniger die Ursache als vielmehr ein Symptom der Kirchenkrise. Einen Ausweg bietet das Ende der autoritär-patriarchalischen Kirche, wie wir sie kennen.

Antje Schrupp: Der Kampf ums Geschlecht. Warum biologische Realitäten existieren, aber längst nicht alles sind, S. 113-120

Ist das Geschlecht biologisch determiniert oder ein soziales Konstrukt? Für die Politikwissenschaftlerin und Autorin Antje Schrupp schließt das eine das andere nicht aus. Denn die Frage nach dem Geschlecht ist nicht nur eine naturwissenschaftliche, sondern immer auch eine politische. Alte binäre Geschlechterlogiken und -narrative lassen sich nicht auf moderne Familienmodelle und technologische Zeugungsmöglichkeiten übertragen.

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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