Ausgabe November 1998

Dokument im Artikelteil: Betr.: Wiedergutmachung

Offener Brief von 45 Kongreßabgeordneten an Gerhard Schröder vom 2. Oktober 1998 (Auszug)

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,

Als Mitglieder des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten möchten wir Ihnen zu Ihrem Wahlsieg bei den deutschen Bundestagswahlen gratulieren. Zwischen unseren beiden Ländern besteht ein enges und tiefgehendes Bündnis, und wir freuen uns auf die enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Ihrer neuen Regierung in den vielen Angelegenheiten von beiderseitigem Interesse.

In dieser Hinsicht möchten wir die Gelegenheit ergreifen, unsere tiefe Besorgnis über das wichtigste deutsche Holocaust-Entschädigungsprogramm, bezeichnet als „BEG“ oder „Wiedergutmachung“, zum Ausdruck zu bringen. Wir halten dieses Thema für äußerst wichtig und hoffen, daß Sie ihm am Anfang Ihrer Amtszeit als Kanzler eine hohe Priorität einräumen werden.

Wir vertreten Tausende von Holocaust-Überlebenden, von denen einige aus Deutschland monatliche Beihilfen („Rente“) im Rahmen des BEG erhalten – und darauf auch stark angewiesen sind. Es beunruhigt uns deshalb, wenn wir erfahren, daß verschiedene für die Durchführung des BEG zuständige deutsche Behörden im Umgang mit Anträgen auf eine Erhöhung der Bezüge der Überlebenden möglicherweise den Geist, ja vielleicht sogar den Wortlaut des BEG verletzen.

November 1998

Sie haben etwa 81% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 19% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo