Ausgabe Januar 2000

Holzmann zum Beispiel: Sanierung ohne ökonomische Vernunft

Populismus und Hilflosigkeit sind zwei Seiten der selben Medaille. Die spektakuläre „Rettung“ des konkursbedrohten Holzmann-Konzerns durch Bundeskanzler Gerhard Schröder erweist sich als problematisch. Milliardenkredite der Banken sichern das Überleben für einige Monate, sind aber betriebs- wie volkswirtschaftlich und auf lange Sicht ebenso von zweifelhaftem Wert wie die von Schröder zugesagten staatlichen Kredite und Bürgschaften über 250 Mio. DM. Die Motive für diese Vorgehensweise liegen offen zutage. Der Bundeskanzler braucht endlich Erfolge im versprochenen Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, und die Banken wollen nicht als Arbeitsplatzvernichter dastehen. Die jetzt 17000 Holzmann-Beschäftigten, so heißt es in der „Rahmenvereinbarung“ zwischen Betriebsrat und Vorstand, verzichten in den nächsten zwei Jahren auf 16% ihres Lohnes. Das summiert sich auf 245 Mio. Mark. Nach anfänglicher Kritik stimmte die Industriegewerkschaft Bau zu, wobei man sich mit Formulierungstricks behalf: Eine Rahmenvereinbarung sei weder eine Betriebsvereinbarung noch ein Haustarif. Aber unterm Strich legitimiert die IG Bau damit einen Bruch der bisherigen Tarifsystematik. Das führt zu einer weiteren Schwächung der Gewerkschaften und der rechtlichen wie finanziellen Stellung der Beschäftigten, die bei angedrohten Konkursen zur Verfügungsmasse werden. Andere Bauunternehmen verlangen inzwischen ebenfalls solche Zugeständnisse.

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