3.12. - N a h e r O s t e n. Die israelische Regierung erklärt sich bereit, mit einer internationalen Kommission zusammenzuarbeiten, die die Ursachen für den Ausbruch neuer Gewalt in der Region untersuchen soll (vgl. "Blätter", 1/2001, S. 5). Die Kommission steht unter Leitung des früheren US-Senators Mitchell. -Am 9./10.12. veröffentlicht die "Neue Zürcher Zeitung " ein Interview mit dem israelischen Außenminister Ben-Ami. Auf die Frage, ob eine Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge nach Israel denkbar sei, antwortet der Außenminister: "In dieser Frage kann Israel nicht nachgeben. Es sollte kristallklar sein, daß man nicht einen palästinensischen Staat gründet, um dann einen Teil der im Exil lebenden Bevölkerung im Nachbarland anzusiedeln. Für uns wurde das eine Art Selbstmordübung bedeuten." Eine materielle Entschädigung an Flüchtlinge wäre damit jedoch nicht ausgeschlossen. Beide Seiten müßten für den Frieden "gewisse Mythen überprüfen". - Am 14.12. erörtert Ben-Ami mit Palästinenserpräsident Arafat die Möglichkeiten zur Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen, um noch vor den israelischen Wahlen ein Abkommen abzuschließen. Das Treffen findet an der Grenze zum Gazastreifen statt. - Am 21.12.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.