Ausgabe April 2004

Klassenkampf im Container

Derzeit läuft im Sender RTL2 (auch Tele5 und Premiere sind diesmal mit im Boot) die fünfte Staffel der Big Brother-Show (BB5), in der Menschen erneut freiwillig – diesmal bis zu einem Jahr – in einem Wohncontainer verbringen. Sie sind dabei "Regeln" unterworfen, die einem doppelten Ziel dienen: Einmal wird das künstliche Soziotop von der Außenwelt konsequent isoliert, zum anderen aber sollen willkürliche Eingriffe einer abstrakten und absoluten Autorität dafür sorgen, dass die vom Produzenten Endemol vermuteten "Wünsche" eines Publikums von Voyeuren bedient werden. In diesem, scheinbar alltägliche Lebenswelt simulierenden Erlebnisraum kontrollieren 32 Kameras und 68 Mikrophone Tag und Nacht jede Regung der Insassen.

Die interessanteste (und zugleich deprimierendste) Erkenntnis, die das Experiment einem kritischen Zuschauer vermittelt, betrifft das Menschen- und Lebensbild dieses Brutkastens zur Aufzucht eines neuen konsumfixierten Endemol- Menschen und idealen Privatfernsehkunden. Schon bei der Auswahl der Kandidaten wird gezielt selektiert: Die "Rohfleischigen" mit "Adrenalinkick und Grenzerfahrung!" hätten die größten Chancen, sagte der für die Auswahl und die "psychologische Betreuung" der Container-Insassen zuständige Psychologe Ulrich Schmitz ("stern", 11/2004). Er musste dafür sorgen, dass keine labilen oder schwachen Typen hineinkommen.

Sie haben etwa 30% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 70% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo