Ausgabe November 2005

Die Grimm-Story

Der deutsche Verleiher hat den Titel des Films nicht übersetzt, The Brothers Grimm klingt anscheinend besser, aber gemeint sind tatsächlich die beiden urdeutschen Märchenonkels, Jakob und Wilhelm Grimm. Nun heißen sie Jake und Will, und der Film über sie ist Teil einer im Verlauf eines langen Lebenswerks entstandenen Phantasmagorie mit realen Versatzstücken, eben jener Welt des Fantasy- Films, wo immer schon das Fürchten, Wundern und Träumen die eigentlichen Events sind, auch da, wo sich die Helden mannhaft-naiv auf die perversesten Abenteuer einlassen.

Der Amerikaner Terry Gilliam fühlt sich in besonderer Weise mit einem fiktiven Europa verbunden, einem Land der Märchen und der Romantik, das er vor allem in den alten Legenden, etwa der vom König Artus wiederfand. Amerika war dagegen der Hort des Pragmatischen, Rationalen, in dem das Leben erstickt wird, weil es sich nach Romantik, Träumen sehnt, was Gilliam als Bedürfnis nach einer fantastischen, surrealen Welt interpretiert, wie sie in den alten Mythen des Mittelalters erzählt wurde.

Aber Gilliam ist zu gebildet (abgeschlossenes Studium der Politikwissenschaft), als dass er solche Phantasien ungebrochen gestalten könnte. Während seiner Zeit in England (60er Jahre), wo er der Komikergruppe Monty Python’s Flying Circus angehörte, hat er den typisch englischen, ironisch gebrochenen Humor kennen gelernt und zu einem Element seiner Weltsicht gemacht.

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