Ausgabe Januar 2007

Goya geistert

Francisco de Goya y Lucientes (1746- 1828) war ein Künstlertyp, der wie geschaffen scheint für eine dramatische Darstellung seines Lebens. Er war seiner Zeit weit voraus, stellte sich gegen die Unverbindlichkeit des ausgehenden Rokoko mit einem Realismus, den es in Spanien und Europa erst hundert Jahre später geben sollte. Er wurde 1799 Hofmaler des Königs Karl IV., Zeuge der Französischen Revolution und ihrer Auswirkungen auf Spanien (Eroberung durch Napoleon) und starb schließlich im Exil in Frankreich.

Seine künstlerische Opposition war ihrem Wesen nach aufklärerisch, legte die Armut und Unterdrückung der Bevölkerung schonungslos offen, und selbst als Hofmaler schuf er Porträts und Gruppenbilder, die realistisch, aber im Zeitsinn „hässlich“ waren. Frühere Gestaltungen des Stoffs (wie Feuchtwangers Roman, 1969 verfilmt von Konrad Wolf) schöpften denn auch aus der Künstlerexistenz in wechselnden politischen Absolutismen ihre historische Spannung und Figurenzeichnung.

Milos Forman scheint dies in seinem Film Goyas Geister nur am Rande zu interessieren. Aufschlussreiches Beispiel ist die Szene, in der der oberste Inquisitor, der Mönch Lorenzo, zu Gast ist bei dem reichen Kaufmann, dessen Tochter Inès eingekerkert wurde, weil sie unter Folter zugegeben hatte, sie sei eine „judaisierende“ Person. Der Vater, einer der reichsten Sponsoren der Kirche, glaubt nicht, dass die Folter wirklich die Wahrheit hervorbringen kann.

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