Ausgabe März 2007

Die Ausweitung der Konsumzone

Nichts ist derzeit angesagter als das „Zweite Leben“. In den vergangenen Wochen schien es keine Zeitung zu geben, die nicht begeistert über die neue virtuelle Welt berichtet hätte. Im Zuge der aktuellen Diskussion über Web 2.0, das sogenannte soziale Internet, scheint das Browserspiel „Second Life“ nach You Tube und MySpace zielsicher den Nerv der Zeit zu treffen.

Das Interesse der Medien richtet sich dabei vornehmlich auf die unzähligen Angebote, die Second Life seinen Besuchern eröffnet. Parties, Sonnenbaden, virtuellen Extremsport, Shopping und natürlich den unvermeidlichen Cybersex zwischen den „Avataren“, jenen virtuellen Wiedergängern der menschlichen Besucher – es scheint, als gebe es im digitalen Paralleluniversum nichts, was es nicht gibt.

Tatsächlich wird bei Second-Life die real existierende Distanz zwischen zwei Nutzern, etwa in Tokio und Toronto, aufgehoben und virtuelle Face-toface- Kommunikation und Interaktion ermöglicht. Dass die Grafik von einer fotorealistischen Darstellung noch weit entfernt ist, weshalb vieles im „Zweiten Leben“ bisher nicht über den Status schlechter Simulation und steriler Animation hinauskommt, steht auf einem anderen Blatt – und den kühnen Phantasien der Medienmacher offenbar nicht im Wege.

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In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

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