Ausgabe März 2007

Uschi O.

Zwei Katastrophen hätten Deutschland zu Beginn dieses Jahres heimgesucht: Der Sturm Kyrill und die Rückkehr der Uschi Obermaier, schreibt der französische Filmkritiker Yves Petignat in „Le Temps“. Aber der pünktlich zu ihrem 60. Geburtstag entfesselte Mediensturm über die Verkörperung der sexuellen Revolution von 1968 war eher harmlos und wurde ein weiteres Mal zur Destruktion einer Ära genutzt.

Denn schon damals waren die Widersprüche ihres kurzen Gastspiels in der aktuellen Politik nur zum Anlass für hämische Klischees genommen worden. Sie verdiente als Fotomodell sehr gut und finanzierte die Kommune 1, so dass deren Mitglieder ihre Tage mit Nichtstun verbringen konnten. Bei politischen Diskussionen in der Kommune schlief sie meistens ein. Sie wollte sich vergnügen mit Sex, Drogen und Rockmusik und gab Anlass für voyeuristisch-spöttische Kommentare über die 68er-Bewegung: Die kriegten ja noch nicht einmal den Schwanz hoch.

Zum Jubiläums-Interview im „Stern“, der ihre Titelbilder-Karriere damals eröffnet hatte, zog sie sich jetzt noch einmal aus, und die Bilder zeigen einen immer noch schönen, erotisch attraktiven Körper, der, mit einiger „Nachhilfe“, wie sie eingesteht, so sehr ihren früheren Bilder gleicht, dass es fast wie ein Symbol erscheint: Sie sieht so aus wie früher und redet wie früher, auch als US-Staatsbürgerin, die heute in der ländlichen Idylle Schmuck entwirft.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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