Ausgabe Juli 2008

Flüssiges Gas

Erstmals wurde am Wiener Ostbahnhof im Jahr 1844 Erdgas gefunden. Diese Entdeckung blieb allerdings mehr als ein Jahrhundert lang nahezu folgenlos. Noch bis in die 1980er Jahre hinein wurden die meisten westdeutschen Städte mit Stadtgas versorgt, das vor Ort aus Kohle hergestellt wurde und wegen seines hohen Anteils an Kohlenmonoxid giftig ist. In Ostdeutschland vollzog man die Umstellung überwiegend erst in den 90ern. Lange galt das ungiftige Erdgas als Abfallprodukt bei der Ölgewinnung und es wird noch heute an vielen Bohrlöchern abgefackelt.

Mittlerweile wird hierzulande ein Viertel des Primärenergieverbrauchs durch Erdgas gedeckt, vier von fünf Neubauten werden mit Gasheizungen ausgerüstet. So kletterte der Erdgasverbrauch von drei auf über 100 Mrd. Kubikmeter. Zur Spitzendeckung, also zum Ausgleich kurzfristiger Importstörungen oder Bedarfsschwankungen, werden in Deutschland knapp 20 Mrd. Kubikmeter Erdgas in Untergrundspeichern gelagert, teilweise als Flüssiggas (Liquefied Natural Gas, LNG).

Auch in anderen großen Industriestaaten nahm der Anteil von Erdgas am Energiemix in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter zu. Dafür sprechen Preis und Verträglichkeit. Wichtigster Verbraucher ist die Industrie, die es als chemischen Rohstoff und zur Energieerzeugung nutzt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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